Hast Du’s gesehen?

Wie so oft bin ich im “richtigen Leben” über all die schönen Dinge gestolpert und habe einfach nichts – absolut gar nichts – davon mitbekommen. Wenn Du Dich eines Tages selbst auf den Weg, z.B. den Israel Trail, machen möchtest, dann fällt es Dir vielleicht irgendwann auf: hier ist noch sehr viel mehr! Ganz still. Ganz verborgen. Und doch begleitet es Dich ständig.

Wenn Du Deine Augen und Dein Herz endlich ganz weit aufgesperrt hast und Deine Sinne wieder richtig arbeiten, wirst Du in der Stille der Wüste Negev wahre Wunder erleben.

Warum ich diesen Beitrag überhaupt schreibe? Ich weiß es nicht! Meine Tochter Selina hat mich – als sie etwa 4 Jahre alt war – ständig in die echte Welt zurück geholt und mit staunendem Blick gesagt “Papa, hast Du’s gesehen?”

Natürlich hatte ich dies und das mal wieder NICHT gesehen, wie fast alles, was mich umgab. Nichts hatte ich wahrgenommen. Nichts hatte ich gefühlt. Und nur ganz wenige Dinge sind mir wirklich bewusst geworden. Nur meiner Tochter hatte ich es “erlaubt”, mich aus meinem Hamsterrad hin und wieder herauszuholen. Ihr jedenfalls war ich nicht böse, wenn sie mich unterbrochen hat und wenn sie mir vehement gezeigt hat, was sich gerade direkt vor meinen Augen im Hier und Jetzt abspielt. Ich selbst hätte es gar nicht bemerkt.

Am Israel Trail kehren die Sinne wieder zurück. Denn es wird ruhig um Dich herum.

Nach vielen Wochen allein, zu Fuß – nun in der Wüste – ist es stiller um mich geworden. Ich nehme mich und meine Probleme nicht mehr so wichtig und oft auch gar nicht mehr wahr. Dafür kehren andere Eindrücke zurück in mein Leben. Flüchtige Beobachtungen und Wahrnehmungen, die eigentlich vollkommen belanglos sind…

Sind sie es? Habe ich da gerade belanglos gesagt? Etwas Schönes, Lebendiges zu entdecken ist endlich nicht mehr belanglos. Es ist eher so, dass mich vieles einfach so in der freien Natur vollkommen überwältigt. So sehr, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ich mit meinen Gefühlen umgehen soll. Aber das wird Dir sicher ebenfalls passieren. Auch wenn Du eigentlich ein harter Kerl oder eine toughe Frau bist. Irgendwann spürst Du beim Wandern die volle Wucht der Gefühle. Du beginnst vielleicht zu begreifen, dass es um sehr viel mehr geht, was Dich, Dein Leben und Deine Seele definiert. Es geht um… aber nein, was sage ich hier eigentlich… bei mir ging es um dies und das… bei Dir vielleicht um etwas ganz anderes, was Du natürlich selbst herausfinden wirst! Und nur DU bist da draussen wichtig.

Bitte lache mich nicht aus, wenn Du diesen Beitrag liest. Ich möchte Dir einfach erzählen, was ich fühle…

“Hast Du’s gesehen?”

Beobachte dieses Foto einmal ganz genau, wenn Du möchtest. Was siehst Du? Was entdeckst Du? Was fühlst Du? Spürst Du die Weite? Beruhigt sie Dich? Oder macht sie Dir noch ein wenig Angst? Hast Du gesehen, was direkt vor Deinen Füßen liegt? Hast Du einen Augenblick Zeit, den Du Dir sonst nie nehmen würdest?

Du kannst gerne – bevor Du hier weiter liest – auch einmal dieses Foto mit einem Mausklick vergößern und studieren. Lass Dich nicht von meinem Rucksack ablenken. Stell Dir vor, Du blickst in diese Landschaft ohne meinen störenden Rucksack…

Unterwegs Richtung Mount Karbolet am Israel National Trail

Ich habe meinen Rucksack auf den Boden geworfen und auch meinen Sonnenhut habe ich respektvoll abgelegt. “Hast Du’s gesehen?”, fragt die Stimme meiner Tochter in meinem Kopf.

Und heute könnte ich ihr antworten: Ja, ich habe es gesehen! Heute bin ich endlich einmal NICHT daran vorbei gestolpert.

Was sieht man auf diesem Foto? Da ist zum einen mein Rucksack und die violette Isomatte, die mir mein israelischer Freund Tsur geschenkt hatte. Ich habe sie noch heute und sie ist tausendmal besser, als eine selbstaufblasbare Isomatte, die hier am harten Gestein sofort ihren Geist aufgibt. Danke, lieber Tsur!

Wo geht der Weg hin, wohin führt er mich? Heute ausnahmsweise einmal keine Frage. Belanglos. Es gibt Wichtigeres zu entdecken.

Der Israel Trail hat viele Farben. Hier wechselt er von rot nach blau (in Gegenrichtung umgekehrt)

 

 

 

Ja, habe ich doch längst gesehen! Der Israel National Trail (orange-blau-weiss) war bis gerade eben der “rote” Pfad und biegt jetzt nach links ab. Ab hier folge ich also nun für einige Zeit dem einem blau markierten Pfad. War klar, habe ich auch vor dem Schlafengehen im Schein meiner Stirnlampe dem Red-Book von Jakob Saar schon so entnommen. So weit, so gut. Kein Grund also, stehen zu bleiben. Oder?

Genauer hinsehen

Vielleicht hast Du es schon gesehen: weiter hinten ist ein Wegmarker des Shvil Israel. Orange-blau-weiss nach links. Ein gutes Zeichen also! Du bist richtig. Falls Du es nicht gesehen hast, kannst Du gerne noch einmal das obere Foto ansehen. Auch in echt muß man immer wieder einmal ganz genau hinblicken, um die Wegmarkierungen auch zu erkennen.

Hier verläuft der Israel Trail nicht geradeaus, sondern macht einen Knick

Ohne Wegmarkierung könnten Dich Deine Sinne täuschen. Weit hinten kannst Du den Shvil erblicken, wie er am Grat entlang verläuft. Doch Du bist gut beraten, den Trail-Signs zu folgen und in diesem Fall nicht einfach auf Deine Intuition zu hören. Denn das könnte gefährlich werden!

 

Alles klar also. Was bewegt mich so? Und warum habe ich meinen Rucksack abgenommen? Hast Du es nun gesehen? Oder noch nicht? Darf ich Dir einen kleinen Hinweis geben? Vielleicht möchtest Du selbst dort hin gehen und es ganz allein für Dich entdecken? In aller Stille. Denn genau darum geht es hier draussen am Israel Trail!

Wenn Du ganz genau hingesehen hast, siehst Du etwas, was farblich zur Isomatte von Tsur passt, aber viel viel schöner ist. Und mitten in der trockenen Wüste Negev ist es für DICH da.

Möchstest Du noch näher ran?

Ein pinkfarbenes Sonnenröschen (Helianthemum) in der Wüste Negev

Noch genauer hinsehen…

Hier blüht sie. Für Dich! Nur wenige Tage. Genau für diesen Augenblick. Und nur ein einziges Mal in ihrem Leben.

Eine pink/violett blühende Blume (Sonnenröschen) mitten in der Wüste Negev

Es geht nicht um den Mount Karbolet. Es geht nicht darum, irgendwie eine sportliche Leistung zu erbringen oder irgendwo anzukommen…

 

Wenn Du das hier siehst und etwas dabei fühlen kannst, dann bist Du bereits angekommen!

Das jedenfalls wünsche ich Dir von ganzem Herzen. Öffne die Augen und Dein Herz. Nehme Deinen Rucksack ab. Zeit spielt keine Rolle. Und schäme Dich nicht Deiner Gefühle – niemand wird Dich dabei sehen. Dieser Augenblick gehört allein Dir und dieser wunderschönen Blume.

Verrückt. Aber vielleicht kannst Du Dich noch Jahre später daran erinnern. Dann war es das wert!

 

Darf ich Dich noch persönlich ansprechen? Möchtest Du für Israel Dein eigenes kleines Bäumchen spenden? Dann kannst Du das bereits für 18 Euro bei JNF-KKL tun und bekommst dafür ganz bestimmt auch eine schöne Urkunde. Eine kleine Blume kann etwas sehr Großes sein. Ein kleines Bäumchen auch. Es ist für Israel. Und es ist vielleicht auch etwas für Dich selbst. Etwas, was Du ganz im Stillen gemacht hast und doch etwas, was das Geschehen für einen kurzen Augenblick verändert hat.

Ein paar Bilder habe ich noch für Euch:

Blumen in der Wüste Negev, hier am Kraterrand des Makthesh Katan/ Small Crater. Rumex Cyprios, zur selben Gattung gehört auch unser Sauerampfer, aber dem wäre es hier eher zu warm!

Mitten am Israel-Trail: Sonnenröschen (Helianthemum) in der Negev: Ein Blick zurück nach Arad (ganz klein im Hintergrund)

 

 

 

 

 

Ich hätte niemals gedacht, dass mir eines Tages ein Israelischer Offizier eine kleine Blume erklärt. Ein Erlebnis vom ersten Tag gleich nach Kibbuz Dan erzähle ich Euch in meinem Buch. Mehr zum ersten Tag seht Ihr hier im Beitrag https://www.israel-trail.com/1-kibbuz-dan-tel-hai-kfar-giladi/

Leseprobe: Und man muss genau hinsehen, denn manchmal scheint die dichte Vegetation die Wegweiser förmlich zu verschlucken.

Mitten im Grün komme ich zu ein paar Soldaten, die hier vor ihrem Jeep stehen und miteinander reden. Meine heutige Etappe verläuft nur wenige Kilometer entfernt von der libanesischen Grenze. Schon aus der Ferne grüßen die Uniformierten und rufen mir „Shvil Israel“ zu. Ein gutes Zeichen. Als ich zu ihnen hinkomme, zeigt mir einer mit vielen Streifen auf der Schulter, wo es weiter geht. Und dann, als ich schon ein paar Meter weiter bin, ruft er mich zurück: „Look here,“ meint er, „schau dir das an.“ Er kniet sich vor einem kleinen zerbrochenen Felsbrocken nieder und zeigt mir drei kleine blühende Alpenveilchen, jedenfalls würde ich sie so bezeichnen. Hat mein Gehirn das gerade richtig begriffen? Da sind fünf Soldaten auf Wache nahe der libanesischen Grenze und der Offizier ruft den Touri zurück, um ihm ein Alpenveilchen zu zeigen? Krass. Leider klappt es dieses Mal nicht ganz so gut mit dem Englischen, aber auf Hebräisch erklärt er mir jede Einzelheit der Pflanze, streicht mit den Fingern über die Blüte und sieht mich immer wieder fragend an, ob ich seinen begeisterten Vortrag auch verstehe. Ja, ich verstehe. Gerade eben hatte ich noch ein etwas mulmiges Gefühl, an so einem Posten vorbeizulaufen und jetzt sitze ich mitten auf der Weide und bestaune mit dem Offizier ein Alpenveilchen. Absurd? Oder ist es einfach das, was Menschen bewegt?

Mit einem etwas merkwürdigen und ungläubigen Gefühl laufe ich weiter und entdecke viele neue Alpenveilchen. Kann so etwas Kleines und Unbedeutendes Menschenseelen wirklich bewegen? Kann sich so ein rosa-weißes Blümchen am Weg für uns beide mal eben zum Mittelpunkt der Welt erheben? Und wie viele solch „sprechender“ Alpenveilchen-Verwanden, die für kurze Zeit als Sonderangebot in einem deutschen Supermarkt stehen, würden dann ihre jeweilige Botschaft den Vorbeigehenden zurufen, ohne je gehört zu werden? Bücken würde sich für sie zu Hause keiner. Es scheint also eine ganz andere Welt zu sein, hier im Heilgen Land. Und doch scheinen die menschlichen Wünsche vom Leben so gleich zu sein.

Etwas bewegt von diesem merkwürdigen Erlebnis mit dem Offizier und dem Veilchen gehe ich weiter. Der Trail folgt hier direkt einem kleinen Flusslauf, den man nur trockenen Fußes folgen kann, wenn man dabei gut aufpasst – was mir natürlich nicht gelingt. Dann laufe ich an einem Wasserreservoir vorbei. Es ist fast voll. An der silbern glitzernden Plastikfolie am Rand erkenne ich, dass hier von Menschenhand Wasser „gesammelt“ wird, und dass Wasser hier eine ganz andere Bedeutung als bei uns zu Hause haben muss…

Buch und Poster gibt es hier:

Ich freue mich, wenn Du diese Bücher direkt bei mir bestellen möchtest! Gerne mit persönlicher handschriftlicher Widmung. Handsigniert. Optimal als Geschenk.


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