Interview mit Markus Rosch

Markus Rosch am Berg Arbel

“Raus und bewegen. Da fühlt sich der Tag besser an!”, sagt Markus Rosch.

Doch wie ist das eigentlich für einen, der in seinem Beruf fast ausschließlich über das Weltgeschehen, die Politik und Schlagzeilen berichtet? Gibt es abseits der Medien auch noch eine private Welt? Das fragen wir am besten einen, der es wirklich wissen muss: ARD und BR Top-Korrespondent Markus Rosch, bekannt aus Rundfunk und Fernsehen.

Ein Interview mit Markus Rosch und Christian Seebauer. Unter Sportlern geführt in der respektvollen per-Du-Form.

Markus Rosch im Nahal Yemin Canyon

Markus Rosch (rechts) mit Kameramann Michael Shubitz im Nahal Yemin Canyon am Israel National Trail

“Raus und bewegen. Da fühlt sich der Tag besser an!”

Christian Markus, eigentlich bist es ja immer Du, der anderen die Fragen stellt. Dürfen wir hier in unserm Blog ausnahmsweise auch einmal ein paar Fragen an Dich stellen? (schmunzelt)
Markus Rosch Nur zu.
Christian Fast jeder kennt Dich aus dem Fernsehen, oft mit kugelsicherer Schutzweste „Press“, dem ARD-Mikrofon in der Hand. Ich selbst hatte das große Glück, mit Dir durch den Nahal Yemin Canyon wandern zu dürfen. Die Kamera war irgendwann endlich aus (Kameramann Michael Shubitz ist trotzdem mit schwerer Ausrüstung weiter mit uns mitgelaufen und sogar geklettert) – die jungen Tontechniker/Innen haben allerdings aufgegeben und sind zurück gelaufen (lacht).

Markus, was bedeuten Sport und die Natur eigentlich in Deinem Leben? (ernst) Was bedeutet es Dir, wenn Film und Ton aus sind, wenn der Moment Dir selbst gehört?

Markus Rosch Ohne beides geht’s nicht. Also am besten: Sport draußen!

Ein Muss bei mir schon am Morgen. Raus und bewegen. Da fühlt sich der Tag besser an!

Und dann natürlich Natur bewusst, am besten mit möglichst wenigen Menschen, genießen. Ob am Berg oder einfach in der Natur.

Christian Nahal Yemin Canyon. Cut, Kamera aus. Wir waren uns bis dahin fremd. Beim Abstieg in den Canyon (ohne Kamera) haben wir uns (auch mit dem Kameramann Michael) als erstes über unser Kinder unterhalten, waren bewegt, hatten Sehnsucht, alles andere war unwichtig… schon verrückt oder?
Markus Rosch Klar, das ist das Schöne. Beim Sport, oder beim Touren geht das alles schnell. Vertraut. Bei der Arbeit klappt so was eher selten…. Distanz baut sich in solchen Momenten besser ab. Kommt natürlich auch auf die Personen an…
Christian In unserem Blog geht es um das Wandern – „ausgerechnet in Israel!“ Kann man das als Normalbürger eigentlich – fragen mich viele? Ist das möglich und ist das halbwegs sicher?
Markus Rosch Klar. Aber es ist wie bei einer Alpentour: Man sollte sich vorher informieren.
Christian Markus, was kaum einer weiß: Ich hatte damals Schwierigkeiten, überhaupt Dein Tempo in der Wüste zu halten (lacht). Du bist extrem fit und warst auch am Shvil Israel viel unterwegs. Wie viel davon kennst Du mittlerweile?
Markus Rosch Nicht so viel wie Du! Aber es geht. Wenn es die Arbeit ließ habe ich versuch an den Wochenenden möglichst viel zu machen. Meine damalige Freundin und heutige Frau hat da immer mitgezogen. Das Problem ist natürlich die Rufbereitschaft in so einem Krisengebiet. Man muss ja schnell verfügbar, einsatzbereit sein. Leider hat sich ein langes Filmprojekt über den Trail zerschlagen…
Markus Rosch am Berg Arbel

Markus Rosch unterwegs am Berg Arbel

Markus Rosch Outdoor

Markus Rosch unterwegs in der Wildnis

Markus Rosch im Nahal Yemin Canyon

Nicht ungefährlich: Markus Rosch nimmt Michael Shubitz beim kniffligen Anstieg die Kamera ab

“Komm. Ohne Vorurteile. Lass Dich auf das Land, die Leute ein”

Christian Wenn Deine Tochter eines Tages sagen würde: Papa, ich möchte den Shvil Israel machen… hättest Du ein wenig Angst?
Markus Rosch Angst nicht. Aber Respekt. Vielleicht würde es mich auch freuen. Ich würde auf alle Fälle Tipps geben – Wenn das gewollt ist.
Christian Ein „Markus Rosch“ berichtet normalerweise prominent über Konflikte und das Weltgeschehen. Gibt es eigentlich auch Momente, in denen Du Juden und Muslime, oder Israelis und Palästinenser in tiefer Verbundenheit und Freundschaft erlebt hast?
Markus Rosch Natürlich! Es gibt ja auch jüdisch-arabische Schulen wo das alles prima klappt! Und natürlich auch auf der Arbeit, bei uns im ARD-Studio, wo Israelis, Israelische-Araber und Palästinenser zusammenarbeiten, funktioniert das gut.
Christian Sand. Wind. Wüste. Negev. Weite… Markus, was empfindest Du persönlich, wenn Du da draußen allein den Wegmarkierungen des Shvil Israel folgen darfst?
Markus Rosch Ruhe. Freiheit. Glück.
Christian Wer noch nie in Israel war, hat bestimmt Tausend Fragen. Was würdest Du ihm/ihr gerne sagen?
Markus Rosch Komm. Ohne Vorurteile. Lass Dich auf das Land, die Leute ein. Und denke nicht, dass Du nachher alles besser weißt.
Christian Markus, darf ich Dir eine sehr persönliche Frage stellen? Wie wird man eigentlich Auslandskorrespondent? Und was würdest Du jungen Menschen empfehlen, die alle ihre ganz eigenen Träume vom Beruf haben? Vielleicht in der Schule (noch) Probleme haben? Kann man trotzdem alles werden, von dem man träumt?
Markus Rosch Man kann. Ich war in der Schule auch keine Leuchte. Man muss nur dran glauben, hart arbeiten und natürlich Glück haben. Es kommt ja viel auf den richtigen Moment an. Aber nie aufgeben. Und: Auch aus Niederlagen kann man lernen.
Christian Zurück zum Israel Trail: Stell Dir vor, Du blickst im einsamen Night Camp in den atemberaubend schönen Sternenhimmel der tiefschwarzen Wüste Negev. Du siehst Sternzeichen, die jedes TV-Programm toppen (sorry) und Du beginnst zu träumen… Was würdest Du Dir wünschen?
Markus Rosch Für den Augenblick? Eine eiskalte Flasche guten Weißwein: Zum noch mehr genießen… (lacht)
Markus Rosch in Israel

Markus Rosch in Israel

Christian Nur mal angenommen: Übergewicht. Unsportlich. Zerrissen. Depressionen. Leben läuft gerade nicht so gut, Job ärgert…, kurzum: Wo bin ich?

Darf man sich heute diese Frage eigentlich laut stellen? Kann man sich verändern? Darf man an sich selbst denken? Darf man in seinem Leben auch einmal den Buzzer drücken und Stopp sagen? Was meinst Du?

Markus Rosch Unbedingt. Man muss halt dann konsequent sein. Und vorher ein bisschen drüber nachdenken.
Christian Pauschaltourismus ist, zu machen, was am Programm steht. Ich könnte mir vorstellen, dass viele jedoch davon träumen, endlich einmal die wirkliche Welt dort draußen kennen zu lernen – so wie Du! Wie viel davon kann man eigentlich ertragen, wenn man der wirklichen Welt zu nahe kommt? Und welchen Preis zahlt man für diese Nähe?
Markus Rosch Tja, manchmal kommen dann natürlich schon Erlebnisse wieder hoch. Die Realität ist nicht immer schön. Aber das ist der Preis für Neugier. Und ohne Nähe bleibt man halt in seiner Welt stecken. Ob das gut oder schlecht ist, will und kann ich nicht bewerten.
Christian Ich habe Dich einmal gefragt, ob Du mit mir eines Tages auch in meiner Heimat in der Amper schwimmen gehen würdest. Ich zeige Dir dann Tausend Pflanzen, wilden Hopfen, irre schöne Wildnis und eine gigantische Natur. Bist Du irgendwann dabei?
Markus Rosch Klar. Das ist ja unser Langzeitprojekt. Wir schon klappen. Ist halt wie immer ein Zeitproblem.
Christian Bleiben wir bei der Natur… würdest Du einem absoluten und womöglich ängstlichen „Israelneuling“ die Natur in Israel empfehlen können? Mit welchen Wünschen würdest Du einen Israel Trail-Pilger begleiten?
Markus Rosch Der Freshman sollte es auf alle Fälle ruhig angehen lassen. Und das Klima nicht unterschätzen. Und als Bayer würde ich ihm oder ihr ein „Hurra die Gams“, übersetzt „Der Berg ruft“ mit auf dem Weg geben!

Wow, Hammer! Danke lieber Markus Rosch für diese wunderbaren und extrem ehrlichen Antworten.

 

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Markus Rosch.

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