Es war eine Art Hochzeitsreise für uns

Am Israel-Trail findet man zu sich… wenn man es nur will. Man kann vieles verarbeiten, in Frieden loslassen und vielleicht sogar Neues zulassen. Am Israel-Trail hat jeder seine eigenen Fragen, zu denen er Antworten sucht… und manchmal vielleicht findet. Heute spreche ich mit Maria und Klaus, die ein paar Teilstücke des Shvil Israels auf einer geführten Wanderreise erlebt haben und doch tiefe Einblicke gewonnen haben. Der Shvil Israel war für die beiden das Hier und Jetzt, der Augenblick zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Wie geht man eigentlich mit Tod und Depressionen um? Und darf man sich neu verlieben? Maria und Klaus sprechen vom Israel-Trail – quasi ihrer Hochzeitsreise – sprechen über Ihr neues Glück, ihren Glauben und ihre wunderbaren Erfahrungen in Israel.

“Es war eine Art Hochzeitsreise für uns”

 

Maria und Klaus am Israel National Trail bei Eilat

Christian Klaus, jeder hat seine eigene Geschichte. Bei Dir ist vor dem Israel-Trail viel geschehen. Möchtest Du ein wenig darüber sprechen?
Klaus Meine erste Frau ist nach langer Krankheit und langjähriger Pflegebedürftigkeit vor anderthalb Jahren verstorben. Die Zeit war schwer, aber Gott hat meine Familie und mich durch all die Jahre getragen. Vor einem halben Jahr habe ich wieder geheiratet, nämlich meine Maria, mit der ich nun auf dem Israel-Trail gemeinsam gewandert bin. Es war eine Art Hochzeitsreise für uns.

“Am Israel-Trail wird man auf das Wesentliche reduziert”

Christian Kann man da draußen am Shvil Israel so etwas wie Ruhe, Kraft und einen neuen Weg finden?
Klaus Ja! Selbst auf dieser Gruppenreise gab es Momente, gerade in der Wüste, wo man mit sich und Gott alleine war. An einer Stelle waren wir aufgefordert, eine Zeit lang alleine zu gehen und die Wüste auf uns wirken zu lassen. Ich konnte in dem Moment ein wenig ahnen, was die Wüstenzeiten von Jesus Christus oder den biblischen Propheten bewirkt haben. Man wird auf das Wesentliche reduziert.
Maria Wichtig ist vor Allem auch das Heimkommen, das will bewusst getan sein. Sonst fällt man erst mal in ein Loch – das ist mir früher öfter passiert, obwohl die Reisen doch so schön waren…
Christian Allein gehen ist natürlich etwas anderes, als in einer Gruppe zu wandern. Viele würden sich aber allein schlichtweg nicht trauen, einmal ein paar Meter im Heiligen Land, noch dazu am Israel-Trail zu wandern. Hier bietet eine geführte Wanderung dann doch etwas Luxus. Auf was muss man Eurer Meinung nach verzichten?
Maria Genau so ging es uns: zu wenig Ahnung vom Land, um ganz alleine los zu ziehen. Der eine Luxus, den wir dafür aufgeben mussten, ist die Freiheit “wo es uns gefällt, da bleiben wir!” …ob nun für das Nachtlager, oder nur um Steinchen zu sammeln.

Ich muss aber sagen, dass unser Wanderführer sich alle Mühe gab, flexibel zu reagieren. Als wir z.B. das Glück hatten, mitten in der Wüste auf ein Wasserloch zu stoßen, hat es eben eine spontane Badepause gegeben. Knapp bemessen zwar, aber immerhin.

Klaus Bei der geführten Wanderung auf nicht allzu viel. Es war sehr komfortabel, nur mit dem Daypack laufen zu können.

Wasser mitten in der Wüste Negev auf dem Weg in das Nahal Yemin. Zeit für ein Bad!

“was man in Deutschland gelernt hat, hilft in Israel nicht unbedingt weiter”

Christian Maria, Du bist Pfadfinderin (lacht). Was lernt man da und was kann man davon am Shvil Israel benutzen? Mir ist aufgefallen, dass Du ganz oft die vielen kleinen Schönheiten in der Natur gesehen und bewundert hast…
Maria Hahaha… ja ich erinnere mich. Am ersten Tag bin ich wie ein kleiner Hund schwanzwedelnd von links nach rechts gelaufen weil so viel Neues zu entdecken war. Zum Beispiel, dass Feigenbäume ganz toll durften, und man sie riechen kann, bevor man sie sieht.

Klar lernt man bei den Pfadis ein paar hilfreiche Dinge – Schlafplatz bauen, Feuer machen, Karten lesen usw. Trotzdem hat jedes Land seine eigenen Herausforderungen – was man in Deutschland gelernt hat, hilft in Israel nicht unbedingt weiter… Daher wird man wohl nur ein “Shvil-Profi”, indem man ihn geht. Nichts geht über die Praxis!

Christian Klaus, plötzlich hast Du eine Schote des Johannisbrotbaums vom Boden aufgehoben und mit mir zum Essen geteilt. Viele würden hier einfach vorbeilaufen und gar nicht registrieren, dass uns der liebe Gott hier gerade etwas Wunderbares vor die Füße gelegt hat…
Klaus Stimmt, Israel ist wirklich ein Land wo „Milch und Honig fließt“! Toll war auch, dass wir einen Wanderführer hatten, der uns auf so Vieles aufmerksam gemacht hat.

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Davidstern an einer Haustür in Tsfat, Foto Christian Seebauer

“Ich glaube, dass Gott an jedem Menschen Interesse hat.”

Christian Was bedeutet Dir Gott eigentlich? Gibt es einen? Und begleitet er auch Menschen, die womöglich gar nicht an ihn glauben?
Klaus Ich glaube an Gott, seit ich fünfzehn Jahre alt bin. Nach dem frühen Tod meines Vaters begann ich, mein Leben zu hinterfragen. Er hatte sich das Leben genommen.

Ich kann sagen, dass Gott mir begegnet ist, als ich ihn selbst noch gar nicht suchte. Gott hat mir begreiflich gemacht, dass er mich liebt, und dass er es gut mit mir meint. Wie es dazu kam, würde hier den Rahmen sprengen… Aber so viel sei gesagt: Gott hat mich nie allein gelassen – egal ob die Zeiten gut oder schwer waren. Ich glaube, dass Gott an jedem Menschen Interesse hat.

Maria Ob Gott existiert, ist für mich gar keine Frage. Interessanter ist schon die Frage, _wie_ er ist. Z.B. bin ich überzeugt, dass Gott kein Stalker ist. Wenn ein Mensch ihm mehrmals bewusst “nein” sagt, lässt er ihn in Ruhe. Gleichzeitig ist er unglaublich geduldig. Er weiß genau, wie trotzig und dumm wir von Natur aus sind, und er lässt uns die Zeit die wir brauchen, bevor wir uns nach Hause lieben lassen. Er hat definitiv viel Geduld mit mir gehabt, haha…

Im Grunde kann nichts auf dieser Welt ein Menschenherz zur Ruhe bringen, als in Frieden und Freundschaft mit Gott zu leben. Ich kann mir kein anderes Leben mehr vorstellen.

Christian Juden und Christen… Was trennt uns? Und was verbindet uns?
Klaus Mit dem alten Testament haben wir die gleiche Heilige Schrift. Jesus war Jude. Wir glauben an den selben Gott. Christen glauben, dass Jesus der Messias ist – sowohl Israels, als auch der ganzen Welt.
Maria …und genau das ist – so traurig es ist – das Verbindende und Trennende gleichzeitig: die Person Jesus.

Klaus im Nahal Yemin Canyon, Israel National Trail

“Naturmotive ohne Ende” und so vieles mehr…

Christian Klaus, Du hast ganz viel mit Deiner Spiegelreflexkamera fotografiert. Was sieht man unterwegs alles? Viele waren ja noch nie in Israel…
Klaus Naturmotive ohne Ende: Landschaft, Pflanzen, Tiere, Gesteine. Auch Ausgrabungsstätten. Und ganz viele Menschen – unsere eigene Gruppe, aber auch Straßenszenen und die Städte selbst.

Eine ganz kuriose Szene ergab sich, rein zufällig, an einer Ausgrabungsstätte. Wir wollten in den Bus einsteigen, als aus dem Nirgendwo ein wilder Esel herkam, und für ein Foto vor dem Fahnenmast mit der Israelflagge im Abendlicht regelrecht posierte. Er ging erst wieder seiner Wege, nachdem die Fotos geschossen waren.

Maria in der unglaublichen Weite und Stille der Wüste Negev

“Es kommt auch immer der Moment, wo Eindrücke “raus wollen“, und man es jemandem erzählen will…”

Christian Maria, beim Abstieg in den HaMakthesh HaKatan Krater (Small Crater) bin ich an Euch vorbeigelaufen und hatte in der Einsamkeit das Gefühl, weitergehen zu müssen, weil ich Euch vielleicht störe. Findet man eigentlich bei einer Gruppenwanderung auch Freiräume?
Maria Definitiv ja. Niemand schwätzt immer, und jeder ist auch ganz viel mit sich selbst beschäftigt. Ich habe die Wanderungen als eine sehr angenehme Mischung aus Gesprächen und Allein-Nachdenken empfunden. Ich genieße meine Beobachtungen und Gedanken sehr gern alleine, aber es kommt auch immer der Moment, wo Eindrücke “raus wollen“, und man es jemandem erzählen will. Das können unschöne Momente sein für einen Einzelwanderer. Schöne Entdeckungen wollen geteilt werden!
Christian Ende November sind die Temperaturen ja ganz angenehm. Wie kann man sich das Klima in der Wüste Negev vorstellen? Welche Klamotten braucht man? Braucht man Sonnenschutz? Welche Schuhe sollte man nehmen? Und die wichtigste Frage: Braucht man auch bei einer Gruppenwanderung viel Wasser?
Maria Überwiegend sommerlich – man braucht eine Menge Wasser! Auf den Bergen wird’s auch mal recht frisch, also Jacke einpacken.

Sonnenschutz unbedingt ja. Wer Sonnencreme hasst (so wie ich), kann es mit Hut und Schultertuch versuchen, aber zur Sicherheit lieber trotzdem ein kleine Tube mitnehmen. Auch die Handgelenke kriegen viel Sonne ab! Ein Hut ist sowieso unverzichtbar wegen Sonnenstichgefahr.

Als Schuhwerk hatten wir nicht die ganz schweren Bergstiefel, aber knöchelhohe Wanderschuhe, und sind gut damit gefahren. Ein paar aus der Gruppe hatten Trekking-Halbschuhe. Das war auf den einfacheren Etappen auf jeden Fall auch ok. Da hätten sogar Outdoor-Sandalen gereicht. Auf den schwereren Strecken hätte man damit aber schon ein erhöhtes Risiko wegen Umknicken oder Steinschlag, gerade wenn man etwas müde und unkonzentriert ist.

Zelt am Nahal Yemin Canyon/ Nahe Oron Factory

“Wer seine Herausforderung sucht, kann sie garantiert hier finden. Der Trail verlangt schon Respekt”

Christian Ich selbst bin ja in den bayrischen Alpen groß geworden und würde sagen: Der Israel-Trail ist überall absolut gut gesichert und machbar. Meine Tante aus Hamburg würde das womöglich ganz anders sehen. Wie anspruchsvoll ist der Israel-Trail auf den „ausgesuchten“ Teilabschnitten gewesen?
Klaus Wenn man trittsicher ist und schwindelfrei, dann war es gut machbar. Eine gute Grundkondition ist hilfreich. Und gutes Schuhwerk ist unverzichtbar.
Maria Ich habe kein Problem mit Schwindel – aber wenn es rutschig ist, werde ich schnell ängstlich. An ein paar gerölligen Stellen dachte ich mir: „Wenn das so rutschig ist wie es aussieht, wird es ein Alptraum“, aber dann war es überraschend trittfest und griffig. Woran das lag, kann ich nicht wirklich sagen.
Christian Immer berichten Israel-Trail-Wanderer von extremen „alpinen“ Herausforderungen, sei es körperlich, sei es technisch. Vorstellbar?
Maria Absolut vorstellbar! Israel ist kein flaches Land. Die “Kostproben”, die wir erwandert haben, waren alle machbar – aber nur ein bisschen steiler, ein bisschen anderes Wetter, oder ein bisschen mehr Gepäck zu tragen… Wer seine Herausforderung sucht, kann sie garantiert hier finden. Der Trail verlangt schon Respekt.

Maria in Jerusalem

Christian Auf unserer Wanderreise war es ja eher bequem: Leichtes Tagesgepäck und Übernachtung im Kibbuz oder in Kibbuz-Hotels. Wie muss man sich das vorstellen?
Maria Bequemer geht’s nicht! In so einem Kibbuz-Hotel fehlt es an nichts. Und das Essen in Israel ist super lecker und sogar gesund. Das war schon echt Wandern deluxe… Klar, dass man dann am Morgen viel ausgeruhter ist, als frisch aus dem Schlafsack.
Christian Am Shvil lernt man auch mal Einheimische kennen. Und ich habe Euch mitgenommen zu meinen damaligen Trail-Angels Einat und Stefan Kedmi. Wie hat’s Euch gefallen?
Klaus Die Aufnahme war sehr herzlich! Und es war super, fernab vom touristischen Geschehen so hervorragend bewirtet zu werden. Die Falafel waren einfach lecker.

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Klaus spielt auf seiner Gitarre in Cesarea

Aus: Video Best of Israel-Trail and KKL, geführte Wanderreise, Wandern in Israel am Israel-Trail 2019

Das Lied heißt „Herr, du schenkst mir ein Lachen“

Christian Klaus, Du hattest in Cesarea Deine Gitarre dabei und hast ein eigenes Lied vorgetragen. In diesem Moment ist alles verstummt und ganz Cesarea gehörte nur Dir! Um was geht es in Deinem Lied? Für wen hast Du es geschrieben?
Klaus Das Lied heißt „Herr, du schenkst mir ein Lachen“. Ich habe es geschrieben in einer Zeit als die Erkrankung meiner ersten Frau schwerer wurde. Ihre Einschränkungen wurden größer, auch meine berufliche Situation war sehr herausfordernd. Es wurde immer schwieriger, alles unter einen Hut zu bekommen. Und doch schenkt Gott uns ein Lachen. Er hilft uns, „trotzdem!“ zu sagen, und in den Stürmen zu bestehen.

Das Lied ist auch ein Gebet, dass wir als seine Kinder dennoch seine Liebe weiter tragen dürfen. Dieses Lied hat mich lange begleitet und an Gottes Güte erinnert.

Wüstenlandschaft im Small Crater

“Wir können für die Menschen in Israel und auch für das Land beten. Wir können von unseren Erlebnissen in diesem Land erzählen. Und wir kaufen ganz bewusst israelische Produkte.”

Christian Es gibt Organisationen, die Israel mit aller Kraft boykottieren wollen. Wer sich jedoch zu Fuß aufmacht, um Israel und seine Menschen zu erleben, wird sich sehr schwer tun, diesen Hass und den Boykott zu verstehen. Was können wir tun?
Klaus Wir können für die Menschen in Israel und auch für das Land beten. Wir können von unseren Erlebnissen in diesem Land erzählen. Und wir kaufen ganz bewusst israelische Produkte.
Maria Ich denke, der Hass auf Israel ist ein Phänomen, das nicht allein rationale Gründe hat.

Trotzdem trägt auch die nicht ganz faire Berichterstattung bei uns zuhause dazu bei. Hier kann man sicher einhaken und so Einiges richtig stellen. Im Internet finden sich auch englischsprachige Medien aus Israel, wo man ein umfassenderes Bild erhält, z.B. die Zeitung Jerusalem Post. Hochinteressant und aufschlussreich!

Christian In Jisr az Zarqa hat mir eine arabische Familie ein großes Pitabrot mit Salat geschenkt und mit Freude gesagt: „Wir gehören auch zum Israel-Trail“. …
Maria …ganz sicher ein ehrlicher Wunsch! Ich erinnere mich, dass der Reiseführer uns erklärte, dass dieser Ort ganz besonders benachteiligt ist. Von daher war es gut, dort zum Essen einzukehren, und man kann hoffen, dass sie auch ein bisschen profitieren von Trail-Tourismus.

Katja Tsafrir (links) und Maria Pippan in Jerusalem vor dem Polizei-Zelt nahe der Klagemauer

JNF-KKL “In der Bibel steht, dass die Wüste in Israel wieder grün werden wird”

Christian Wer sich eines Tages aufmacht, um den Israel-Trail zu durchwandern, läuft zwangsläufig durch die vielen wunderbaren Anpflanzungen und Wälder des JNF-KKL, Israels größter grüner, gemeinnütziger Organisation. Dabei sind Wald und der Schatten eines Baumes nichts Selbstverständliches in Israel. Ihr beide habt Israel nun einen Baum geschenkt und ihn gepflanzt. Was bedeutet Euch das?
Maria Die Wälder waren toll, beeindruckend! Und ja, auch das Baumpflanzen. In der Bibel steht, dass die Wüste in Israel wieder grün werden wird, und genau das konnten wir mit eigenen Augen sehen. Da wird man sehr klein und freut sich, ein Teil davon gewesen zu sein.
Klaus Dieser Baum, den ich pflanzen durfte, wird Teil eines weiteren großen Waldes sein, wo jetzt noch Wüste ist. Und das ist schön.

Eine Aufforstung des JNF-KKL nahe Har Amasa, am Israel National Trail

Christians Rucksack vor einem neu angepflanzten Baum am Israel Trail

Info-Link zu JNF-KKL, Israels größter gemeinnütziger grüner Organisation

JNF-KKL Golani Plantimg Center, Katja Tsafrir

Die Flora in Israel

“Als Israels älteste grüne Organisation fühlen wir uns in der Pflanzenwelt des Landes sprichwörtlich wie zu Hause. Rund 2.800 Pflanzenarten sind in Israel beheimatet. Dem JNF-KKL liegen dabei natürlich die Bäume ganz besonders am Herzen. Wenn Du dazu mehr erfahren möchtest, geht es hier entlang”:

Die Flora in Israel ->

Vergangenheit. Gegenwart. Zukunft. Wo ist was? Du musst es selbst sortieren!

“Kann es helfen, im Heiligen Land einen neuen Weg zu finden?”

Christian Leider gibt es ganz viele Menschen, die gerade in tiefem Schmerz versunken und gefangen sind und absolut keinen Ausweg sehen. Kann es helfen, die Natur mit eigenen Füßen zu Spüren? Kann es helfen, im Heiligen Land einen neuen Weg zu finden?
Maria Den Ausweg aus solchen Lagen zu finden ist eine sehr individuelle Sache. Gott hat da teilweise echt ungewöhnliche Wege. Aber ich glaube, dass ein Rückzug zur Einfachheit tatsächlich eine große Hilfe sein kann.

Wenn ich merke, dass es gar nicht viel ist, was ich im Leben brauche… atmen, etwas Wasser, etwas zu essen, Kraft für den nächsten Schritt… und dass ich doch nichts davon selbst gemacht habe. Irgendwann merke ich, dass ich auf dieser Welt nur ein verlorenes Kind bin. Und das ist die Chance, die Liebe und Fürsorge des Himmels tief zu erleben. Dieses kindliche “ich hab’ nix, und hab’ doch alles” fand ich tröstend, wenn alles schwer war.

Klaus Ich glaube, es gibt kein Patentrezept, wie man trauern und die Trauer überwinden kann. Ich habe Menschen gebraucht, die mir geholfen haben, meine Trauer zuzulassen. Ganz alleine zu sein, wäre für mich nicht hilfreich gewesen. Erst als ich die Trauer zulassen konnte, wurde der Weg frei für etwas Neues.

Ich glaube aber auch, dass ein Sich-auf-den-Weg-Machen und die Natur buchstäblich zu erleben, helfen kann, sich selbst wieder wahrzunehmen.

“Depressionen betreffen leider ganz viele Menschen”

Christian Ich möchte nachhaken: Depressionen betreffen leider ganz viele Menschen. Und leider hat oft selbst das engste Umfeld nicht die geringste Ahnung davon…
Klaus Das ist wohl wahr. Zum Einen fordert uns das heraus, auf unsere Mitmenschen besser zu achten. Wohl dem, der als Betroffener Freunde hat, die ihn sehen. …oder denen er sich anvertrauen kann mit seiner Not.
Maria Das stimmt. Kafka schrieb mal – sinngemäß: Du weißt nie, wie schlecht es deinem Gegenüber gerade geht. Allein deshalb solltest du ihm mit so viel Ehrfurcht begegnen, als stündest du vor den Toren der Hölle.

Das ist zwar eine ziemlich negative Sichtweise, aber trotzdem sehr wahr irgendwie. Geht behutsam miteinander um! Das muss ich mir selbst auch immer wieder sagen.

Gutes Schuhwerk ist auch am Israel Trail eine gute Idee. Tennis-Socken nicht!

Was muss man mitbringen, für den Shvil Israel?

Christian Was muss man mitbringen für den Shvil… und mit was kommt man zurück?
Maria Tja.. die Ausrüstung hätten wir schon geklärt. Dann bleiben noch Dinge wie Neugier, eine gesunde Portion Trotz für die Momente wo man aufgeben möchte, und wenn möglich auch einen guten Freund oder Kameraden.
Klaus Man kommt mit vielen wertvollen Eindrücken zurück und Erinnerungen an außergewöhnliche Erlebnisse. Ein Highlight für mich war das Schwimmen mitten in der Wüste in einem Wasserloch. Aber auch die Begegnungen mit den anderen Wanderern oder mit Einheimischen sind sehr bereichernd.

Wandern in Israel am Israel-Trail 2019, rechts Christian Seebauer

“Lass dich nicht von vermeintlich unlösbaren Hindernissen aufhalten”

Christian Wer schon sein halbes Leben davon träumt, sich endlich einmal zu Fuß auf den Weg aufzumachen (aber vielleicht etwas Angst hat), dem würdet ihr empfehlen…
Klaus Mach dich schlau, wie du dein Vorhaben umsetzen könntest, setz dich mit Leuten in Verbindung, die das schon mal gemacht haben, und lass dich nicht von vermeintlich unlösbaren Hindernissen aufhalten. Das habe ich in der Zeit meiner ersten Ehe gelernt, meine erste Frau war im Rollstuhl. Und wir haben Wege überwunden, die für einen Rollstuhlfahrer eigentlich nicht zu bewältigen waren. Und weißt du was, es hat unglaublich Spaß gemacht, zu ignorieren, dass etwas eigentlich nicht geht, wenn es dann doch gelungen ist.
Maria Ich würde sagen: Finde einen erfahrenen Reisegefährten.
Danger

“The Entrance for Israeli Citizens is forbidden. Dangerous to your Lives…”

“Der Zutritt ist israelischen Staatsbürgern verboten. Lebensgefahr.”

Christian Und wer Angst davor hat, dass Israel „unsicher“ sein könnte, dem würdet ihr sagen…
Klaus Israel ist kein gewöhnliches Land, und ja, man kann mit Konflikten konfrontiert werden. Trotzdem kann ich sagen, dass ich mich nie unsicher gefühlt habe.
Maria Wir sind mit einem guten Gefühl auf die Reise gegangen, weil wir den Eindruck hatten, “grünes Licht” von Gott zu haben. Das gute Gefühl ist wichtig, denn sonst kann man die Sache ja doch nicht genießen – ganz unabhängig von einem realen Risiko.

Es lässt sich nicht wegreden, dass Israel seine Konflikte hat, und es war ein seltsames Gefühl, am Eingang mancher Orte Schilder zu lesen, wo stand: “Der Zutritt ist israelischen Staatsbürgern verboten und kann für sie lebensgefährlich sein.” (Dort sind wir nicht durch gewandert, das haben wir nur vom Bus aus gesehen.) Andererseits ist mir kein einziger Fall bekannt, wo ein Wandertourist in diesen Konflikten zu Schaden kam.

Ich denke, die Menschen in Israel leben mit der Situation Tag für Tag. Und wenn wir für einige Tage dieses für uns kleine Risiko teilen, vielleicht kann uns das auch nützen, damit wir sie besser verstehen.

Sich vor einer Unternehmung vor Ort etwas umzuhören nach der allgemeinen Lage und dem Wetter schadet natürlich nie. Außerdem: immer vorher beten, und wenn der Bauch “nein” sagt, darauf hören. Denn zur falschen Zeit am falschen Ort ist es immer gefährlich – auch zuhause in Deutschland.

Eine Wegmarkierung am Israel-Trail, orange blau weiß

Shvil Israel: Klaus und Maria in der Wüste Negev

„Shalom“ bedeutet für Dich…

Christian „Shalom“ bedeutet für Dich…
Maria Ich bin im Reinen mit dir, und wünsche dir alles was du brauchst! Wirklich ein sehr netter Gruß.
Klaus Der Frieden und die Sicherheit, die Gott alleine geben kann.

Maria in Srigim Li On

 

Liebe Maria, lieber Klaus, ganz herzlichen Dank für diese wunderbaren Eindrücke und Antworten.

 

Über Klaus:

Klaus ist 54, Sozialpädagoge und Familientherapeut, geht gern auf Reisen und Wandern. Er ist Musiker und christlicher Liedermacher. Manche seiner Lieder sind auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht:

Links:

Youtubekanal Klaus Pippan
https://www.jnf-kkl.de/wissenswertes-ueber-israel/

 

Über Maria:

Maria ist 37, Beamtin, verheiratet mit Klaus, und geht eher selten auf Fernreisen. Ein bisschen Trekkingerfahrung hat sie mit den Royal Rangers (Pfadfinder) zuhause in Deutschland gesammelt.

 

Kontakt:

Klaus und Maria Pippan

Furtweg 20

91217 Hersbruck

familiepippan@arcor.de

 

Fotos: Christian Seebauer, Johannes Elze

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