Sich selbst wieder spüren
Der Abenteurer und Künstler Christian Seebauer, der auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dillenburg am Donnerstagabend im Charlotte-Petersen-Saal der Stadthalle zu Gast war, schilderte emotional und ungekünstelt seine Wanderung, die ihn stellenweise bis an den Rand der totalen physischen und psychischen Erschöpfung gebracht hatte.
Wie kommt ein Oberbayer, der dazu noch aus der Nähe von Dachau stammt, auf die Idee nach Israel zu fliegen, um ohne Geld in sieben Wochen den 1100 Kilometer langen National Trail zu durchwandern? Es war wohl Abenteuerlust gepaart mit einem großen Vertrauen in die Hilfsbereitschaft der Menschen. Viele Israelis – Juden und Araber – gaben ihm Nahrung und ein Nachtquartier und durften sich dafür auf seiner Wanderhose mit ihrer Unterschrift verewigen.
Seebauer, der auch während seines Vortrags – ergänzt mit Fotos, die er mit einer GoPro Kamera gemacht hatte – ständig in Bewegung war, ließ die Zuhörer an seiner Wanderung unmittelbar teilhaben. Los ging es im März 2014 im nordisraelischen Kibbuz Dan. Das Ende der Tour war 46 Tage später in Eilat am Roten Meer erreicht. Der Rucksack war 21 Kilogramm schwer und Seebauer selbst verringerte sein Gewicht von 83 auf 69 Kilogramm am Ende seines Weges, der ihn über grüne Wiesen, durch Canyons und Wüsteneien und über hohe Berge führte.
Die Angst vor dem Alleinsein, die Fähigkeit seine Schmerzen zu beherrschen, musste Seebauer immer wieder neu bewältigen.
Herzlichkeit der Menschen erlebt
Gottvertrauen und die Herzlichkeit der Menschen, die dem ohne einen Cent in der Tasche losmarschierenden Wanderer beistanden, ließen ihn letztlich alle Strapazen vergessen. „Ich habe mir Israel ganz anders vorgestellt“, erklärte Christian Seebauer, der eine großartige Flora vorfand, die ihn an seine bayerische Heimat erinnerte, wo seine Frau und seine zwei Töchter aus der Ferne seine Wanderung begleiteten.
„Die Einsamkeit genießen und sich dabei selbst spüren“, das hat sich bei mir eingeprägt“, verkündete er Israeltrail, seiner Zuhörerschaft, die seinen im wahrsten Sinn des Wortes bewegenden Vortrag sichtlich genoss. (hel)