Israel Trail: Der Anfang ist gemacht

“Aus Israel nehme ich Eindrücke mit, die ich als Bustourist oder mit dem Auto so nie hätte erfahren dürfen. Es war die Herzlichkeit der Menschen, die Ehrlichkeit, die Unvoreingenommenheit die mir/uns entgegengebracht wurde.”

Ein Reisebericht von Günther Engelmann (66) zum Israel Trail von Kibbuz Dan nach Kfar Kish.

Günther auf seinem Israel Trail von Kibbuz Dan nach Kfar Kish

 

Shalom Israel! Der Anfang ist gemacht.

Eigentlich wurde ich ja im Jahr 2012 aus bestimmten Gründen zum Jakobuspilger. Angefangen beim Camino Frances, bis hin zum Camino Levante, bin ich mit Begeisterung insgesamt 5 Caminos in Spanien gelaufen. Der letzte Camino – der Camino Levante mit 800 km Einsamkeit in der Hitze der La Mancha – diente, nach Abschluss des Berufslebens dann bereits der Vorbereitung auf den Shwil Israel.

Aber der Reihe nach…

Mit dem Buch von Christian Seebauer über seinen Camino del Norte in Spanien wurde ich neugierig und daraufhin las ich noch sein Buch über den Shwil, den er 2014 gelaufen ist. Nach einem persönlichen Kennenlernen bei einem seiner Vorträge keimte in mir der Wunsch, den Shwil zu laufen.

Da ich meiner Kondition jedoch nicht traute, versuchte ich diese mit dem Camino Levante im September 2016 zu verbessern. Trotz Hitze und Fußproblemen kam ich nach 33 Tagen absolut einsamer Wanderung zuversichtlich in Zamora an. Frei nach Udo Jürgens „ mit 66 Jahren da fängt das Leben am“ wollte ich 2017 so kurz vor dem 66. Lebensjahr nicht den nächsten, nämlich den Camino Mozarabe, sondern einen ganz anderen Weg gehen: Den Shwil Israel gehen.

Ich war der Meinung, dass ich mit etwas Training ein Jahr später den Shwil von Dan nach Tel Aviv laufen könnte. Mein Training zu Hause sah so aus, dass ich viel Gartenbau und kleine Betonarbeiten ausführte, jedoch leider keinerlei Ausdauersport trieb.

So flog ich am 26.09.2017 nach Tel Aviv und fuhr mit der Bahn nach Akko und weiter mit dem Bus über Kiryat Shmona nach Kibbuz Dan. Bereits die Fahrten mit diesen Verkehrsmitteln waren ein Erlebnis: Auf dem Busbahnhof in Kiryat Shmona ließ mich ein junger Soldat meinen schweren Rucksack nicht tragen, sondern trug ihn mir bis zum Bus.

Extrem wichtig: Immer genug Wasser mitnehmen, gilt auch im Norden (hier zwischen Yesha Fort und Mount Meron)

Mein erster persönlicher Kontakt war also, dass ein junger wehrpflichtiger Soldat, mir, dem ca. 45 Jahre älteren Mann behilflich sein wollte. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Aber mit der Hilfsbereitschaft ging das die nächste Zeit so weiter. Ebenso mit einer gewissen Spontaneität und dem Interesse an einem Shwilwanderer.

In Dan angekommen stand ich etwas ratlos an der Bushaltestelle und wollte Roni den Trailangel von Dan anrufen, schon fragte mich ein Herr aus dem Auto heraus ob ich Hilfe benötige.

Er zeigte mir sofort den Supermarkt und wie ich zur Turnhalle komme um dort zu übernachten. Da ich aber eigentlich Roni die Trailangelin von Dan kennenlernen wollte, rief ich sie an und erkundigte mich nach den Möglichkeiten. Sie sagte mir, dass ich zum Gim gehen soll, alles weitere wird sie noch im Laufe des Tages regeln. Es war noch früh am Tag ca. 14.00 Uhr. Sie gab mir aber auch die Information, dass heute eine deutsche Pilgerin gestartet ist und sich freuen würde, wenn sie den Shwil mit einem anderen Pilger beginnen könnte. Bis nach nach Giladi sind es nur 13 km und wir würden uns bestimmt dort treffen. Ich bat Roni ihr, meine Nummer zu geben und machte mich auf den Weg.

Vorher kaufte ich im Supermarkt Brot, Käse und Wasser, weil ich nicht wusste, wo ich meine Trinkblase auffüllen konnte. Statt Käse hätte ich besser Nüsse und Trockenfrüchte kaufen sollen. Vielleicht auch Thunfisch in Dosen, aber das wusste ich noch nicht. Auch konnte ich nicht ahnen, dass alle Israelis einen Gaskocher auf dem Shwil dabei haben. Heute weiß ich, dass ab und zu eine warme Mahlzeit, die man in Spanien an jeder Ecke bestellen kann, auf dem Shwil wahre Wunder bewirkt. Ein Gaskocher steht also auch für mich für die Zukunft auf der Wunschliste.

 

Israel Trail: Mit dem Zelt in der freien Natur

Orange Blau Weiß – Wegmarkierung kurz vor Migdal

 

Nun habe ich mich mit meinem viel zu schweren Rucksack, einem für die Jahreszeit zu warmen Schlafsack und weiteren unnötigen Utensilien auf den Weg gemacht, wurde zeitweise von zwei jungen israelischen Wanderern begleitet und später von drei frisch vom Wehrdienst entlassenen jungen Damen mit ihrem Freund. Große Heiterkeit hatten wir, als der junge Mann dessen Oma aus Deutschland stammte erzählte, dass die Oma immer Disziplin verlangte.

Bereits jetzt merkte ich, das Vespern auf dem Shwil immer das Teilen des Essens bedeutet. Das ist einfach eine wunderbare Sache. Mit meinem Brot und dem Käse löste ich allerdings keine Begeisterungsstürme aus. Na ja, mit 66 Jahren fängt nicht nur das Leben an, sondern auch das erneute Lernen. Man lernt halt nie aus, besonders wenn man sich auf den Weg macht, Neues zu entdecken, Unbekanntes auszuprobieren und vor allem wenn man mit Menschen sprechen möchte, deren Vorfahren, wie ich auch aus Europa stammen, die aber seit einer oder zwei Generationen in einem Land leben, dass mit seinen extremen Herausforderungen viel von den Menschen verlangt.

In Kfar Giladi angekommen, habe ich Lisa getroffen. Wir beide sollten dann für die nächsten Tagen Wanderpartner sein. Am nächsten Tag wanderten wir bis Yesha Fort, weil es dort öffentliche Toiletten und Wasser gibt. Allerdings waren diese verschlossen und da wir Wasser benötigten wanderten wir weiter bis Ramot Naftali und übernachteten dort bei Trailangel Bettina, die uns einen umfassenden Bericht über die Entstehung des Kibbutzes, die Besiedelung und Kultivierung des Landes erteilte.

 

Mitten durch die Weide: “Shvil”, hier geht es nach links

Auch den Kühen ist es heiß (auf dem Weg nach Kfar Kish)

 

Zusammen mit zwei anderen Shivilistim, die auch gerade mit dem Wehrdienst fertig waren, teilten wir unser Abendessen und setzten am nächsten Tag unsere Wanderung mit genügend Wasser und Lebensmitteln fort. Im Kibbutz Ramot Naftali gab es einen kleinen Supermarkt.

Schon in Kfar Giladi bekam ich Nachricht von Caro, die mich auf der Seite von Aron Kamphausens Israelabenteurer entdeckte, weil ich einen Wanderpartner suchte. Wir blieben ab diesem Zeitpunkt per sms bzw. WhatsApp in Kontakt, um uns irgendwie zu treffen.

Die nächsten Tage wanderten wir weiter, ich erlebte meine erste Übernachtung im Zelt bzw, die nächsten beiden Übernachtungen einfach ohne Zelt unter freiem Himmel. Für mich ein Erleben, was ich auf diese Weise noch nie bzw. als Jugendlicher mal auf dem Zeltplatz erlebte habe. Auch auf den langen Caminos in Spanien gab es das nicht. Allerdings wurden wir auch von Wildschweinen beobachtet, was mir nicht besonders gefiel. Ich musste den Mut und die Entschlossenheit von Lisa mehrmals bewundern.

Das Hula Valley vom Israel Trail aus gesehen

Auch neu für mich war, eine Ruhepause um 09. 00 Uhr und eine Mittagspause in der Mittagshitze. So etwas ist sinnvoll und notwendig. Der Shwil – das will ich hier ausdrücklich betonen – ist kein Camino! Er ist um einiges schwerer und hat mir alles, was ich an Kondition aufbieten konnte abverlangt. Im Übrigen gibt es zwar einen traumhaft guten israelischen Kaffee, aber keine Bars wie in Spanien in der Nähe der Caminos. Wer Kaffee trinken will, muss ihn sich schon selbst kochen.

Fast jedes Mal erhielten wir von israelischen Shwilwanderern Lebensmittel geschenkt bzw. teilten unsere Vorräte. Die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der israelischen Shivlistim ist beeindruckend und es entstehen dabei echte Glücksmomente.

Unterwegs Richtung Kfar Kish: Ein Blick zurück auf den See Genezareth

Soweit war der Shwil für mich ein interessantes Erlebnis. Für mich standen die Begegnungen und Gespräche mit Israelis im Vordergrund. Man sollte für die Strecke von Dan nach Kinneret aber auch über einige Kletterkenntnisse verfügen. Wie es danach aussieht, weiß ich (noch) nicht. Nach weiteren Etappen mit Übernachtungen im Freien trafen wir in Kinneret bei Rob Roy Canoes auch auf Caro.

Gemeinsam – in Sicht- oder auch Hörweite voneinander – wanderten wir weiter und trafen mehr oder weniger gleichzeitig in Kfar Kisch ein, von wo wir nach Kfar Tavor trampten um zu unserem Angel für diese Nacht zu gelangen. Ruth holte uns in Kfar Tavor an der Tankstelle ab.

Was dann folgte, war für uns alle ein besonderes Highlight. Bei einem gemeinsamen Abendessen tauschten wir viel Interessantes mit Ruth, ihrem Ehemann Moti und der Nachbarin Tali aus. Ruth’s und Tali’s Vorfahren stammten aus Deutschland, genauer gesagt aus Leipzig und Dresden. Wir verspürten eine Herzenswärme uns gegenüber, die uns tief berührte. Man kann nicht mit Worten beschreiben, was ich fühlte, wie wir Pilger in diesem Haus eine Herzlichkeit und Gastfreundschaft geschenkt bekamen. Es hat mein Herz berührt.

Zu Gast bei Trail Angel Ruth (2. v. rechts)

In der Nacht reifte in mir allerdings die Erkenntnis, dass ich trotz all dem, was ich bis jetzt an menschlicher Wärme und Gastfreundschaft geschenkt bekam, den Shwil abbrechen muss, weil mir die nötige Kondition fehlte. Die Hitze machte mir eben sehr zu schaffen und ich muss eindringlich darauf hinweisen, dass der Shwil kein Camino ist.

Ich glaube man kann sich denken, wie es weiterging. Nach einem Frühstück mit Ruth und meinen Pilgerschwestern, die beide auf Grund unseres Altersunterschiedes meine Enkel hätten sein können, trennten sich unsere Wege. Wir haben uns voneinander verabschiedet und jeder ging den Weg der für ihn vorgezeichnet war. Moti brachte mich mit dem Auto zum Bahnhof nach Afula, von wo ich mit dem Zug nach Tel Aviv fuhr.

Einfach nur unglaublich schön!

Aus Israel nehme ich Eindrücke mit, die ich als Bustourist oder mit dem Auto so nie hätte erfahren dürfen. Es war die Herzlichkeit der Menschen, die Ehrlichkeit, die Unvoreingenommenheit die mir/uns entgegengebracht wurde. Natürlich erlebt man auch als Tourist vieles, auch ohne den Shwil zu laufen. Das Besondere am Schwil ist, dass man aufeinander angewiesen ist, dass man Hilfe geben und nehmen kann und muss, dass nie ein geschäftliches Interesse existiert, dass man zu Freunden werden kann. Man sitzt gemeinsam im selben Boot. Das ist bei vielem anderen zwar auch so, aber die raue Natur, die weiten Strecken, die Wichtigkeit des Trinkwassers und vor allem das Teilen des Wassers, das Erleben von Nächten unter freiem Himmel lassen den Shwil mit seinen Menschen zu einem ganz besonderen Erlebnis werden.

Die Israelflagge am Strand bei Tiberias

Ich danke allen, denen ich begegnen durfte, mit denen ich eine kurze Zeit verbrachte, ganz besonders Ruth Dvir für ihre große Hilfe und wünsche allen Gottes Segen. Erstaunlich war für mich, dass ich nur israelische und deutsche Pilger traf. Mein herzlicher Dank gilt auch Elad, der mir am See Genezareth mein Zelt abnahm, um mir den Rucksack zu erleichtern, und es mir nach Deutschland nachsendet.

Allen Shwilpilgern in meinem Alter rate ich, die Sache langsam anzugehen, zumindest vorher Kondition zu trainieren, und probeweise im Zelt zu schlafen und auch mal einige Klettertouren zu machen.

 

Temperaturen und Klima

Auf meinem Shvil: Temperatur tgl. ca. 35 Grad/ Im Norden/ Ende September – Anfang Oktober.

Tägl. Wasserbedarf?

Ca. 5 Liter- und diese wirklich gut einteilen. (Norden/ Ende September – Anfang Oktober)

Gewicht Rucksack:

Rucksack ohne Wasser 12 kg, mit Wasser 17 kg, (zu schwer, weiß aber noch nicht, was ich in Zukunft anders machen soll…

Orientierung am INT

Orientierung funktioniert mit den Markierungen “eigentlich” ganz gut – jedoch nicht immer. Man muss also durchaus sehr genau aufpassen. Schwierig wird es, wenn es keine orange, blau weissen Markierungen gibt, weil der INT gerade einem anders markierten Wegstück folgt (grün, blau, schwarz, rot etv.) Als Navi hatte ich auf dem iPhone die app Magic earth, die ging ganz gut. Sehr wichtig ist – und das sollte jeder wissen, man darf nicht vor sich hin träumen! Wer den Trail verloren hat – und das ist er sich und anderen schuldig – für den gilt: Sofort umkehren und zur letzten Markierung zurück.

Sicherheit

Die Sicherheit auf dem Schwil ist gut. Man muss aber wissen, dass es auch im Norden Schlangen gibt. Gesehen habe ich nur eine, aber es gibt sie. Es gibt auch Wildschweine. Aus diesem Grund würde ich draußen eher im Zelt schlafen, am liebsten aber bei Trailangels. Wenn es geht, empfehle ich diese Übernachtungsvariante. Man hört nachts auch Geheul. Erst dache ich, es sind Hunde. Israelis sagten mir, es wären Hyänen, vielleicht auch Wölfe.

Für wen ist der Israel Trail geeignet?

Der Trail ist geeignet für Menschen, die körperlich wirklich sehr fit sind, die einigermaßen englisch sprechen, die Hitze ertragen können, und sie sollten Orientierungsvermögen besitzen. Der Shwil ist kein Camino wie in Spanien mit der dortigen Infrastruktur.

 

 

Über Günther:

Günther: 65 Jahre, verheiratet, 2 erwachsene Söhne. eigentlich Caminopilger in Spanien, daher die Vorliebe unter einem Dach zu schlafen statt im Zelt.

Kontakt:
Facebook oder Messenger: Günther Engelmann

 

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