„Im Urlaub nach Israel? Warum gerade zu den Juden?“

Immer wieder stößt man – gelinde gesagt – auf Erstaunen, wenn man nach Israel in den Urlaub fliegen möchte. Dabei ist Israel eines der schönsten und gastfreundlichsten Länder der Welt. Und es ist auch ein sicheres Land für Urlauber! Ulrike Ender räumt mit vielen Vorurteilen auf und berichtet über ihre wunderbaren Reiseerlebnisse in Israel

Ein Beitrag von Ulrike Ender.

Mein Mann und ich auf dem Ölberg

„Im Urlaub nach Israel? Warum gerade zu den Juden?“

Unser Wunsch irgendwann einmal nach Israel zu reisen, war schon lange da und wurde mit den Jahren immer stärker: das Heilige Land und die Israelis kennenlernen!

Als ich klein war, in den 1960ern, hat meine Mutter zu gegebenen Anlässen uns Kindern eingeschärft, dass wir zu dem erwarteten jüdischen Gast besonders höflich, sensibel und liebevoll sein sollen, da die Juden sehr gelitten hätten unter uns Deutschen. Sie (geb. 1919) hat das, wie man lesen kann, sehr gelinde ausgedrückt und ist auch auf neugierige Fragen nicht weiter eingegangen.

Ein andermal zeigte sie mir Bilder, auf denen herrliche Orangenhaine in der judäischen Wüste abgebildet waren. Sie erzählte mir davon, wie klug und tüchtig dieses Volk sei, weil sie ein Bewässerungssystem entwickelt hätten, das sogar in der Wüste den Anbau von Früchten möglich mache.

 

In meiner Jugend habe ich angefangen mich mit Literatur zum Leid des jüdischen Volkes zu beschäftigen. In der Schule lasen wir „Das Tagebuch der Anne Frank“. Als ich siebzehn war, las ich den „Exodus“ von Leon Uris. Ich schaute mir die erste Verfilmung mit Paul Newman im Kino an. Es folgten weitere Bücher. Dieses Thema um den Holocaust hat mich sehr bewegt und beschäftigt. So wuchs der Wunsch in mir, unbedingt einmal die Menschen kennenzulernen, die diesen Horror überlebt haben und auch deren Nachkommen.

Menorah bei der Knesset

Aber da unten ist es doch gefährlich!“

Ja, man hat die Bilder aus Internet und Fernsehen vor sich von Raketenbeschuss durch die Palästinenser von Gaza aus, von Tunneln, die Terroristen graben, um ungesehen zu Kibbuzen zu gelangen und Anschläge zu verüben oder von anderen schlimmen Ereignissen wie Messerattacken gegen Polizisten, Soldaten und Zivilisten. Danach war es schon so, dass mir manchmal etwas mulmig wurde im Gedanken an die bevorstehende Reise. Aber Angst hatten wir nicht wirklich, denn die Kompetenz und besondere Wachsamkeit der israelischen Armee ist weithin bekannt und wir haben Gottvertrauen, was grundsätzlich sehr entspannt.

Bilder vom Jesustrail und Jerusalem

 

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Woher hattet ihr eure Informationen über Israel?“

2014 haben wir an monatlichen Veranstaltungen in unserer Nähe zum Thema Israel teilgenommen und dabei Johannes Gerloff kennengelernt, den im Nahen Osten lebenden politischen Beobachter und Korrespondent der Nachrichtenagentur www.israelnetz.com , sowie Tobias Krämer von ‚Christen an der Seite Israels‘. Weiteres erfuhren wir über den uns bekannten Prediger Friedemann Tröger (Süddeutsche Vereinigung), der Vorträge hält zum Thema Israel und der zunehmenden Rückkehr von Juden aus aller Welt ins Heilige Land. Außerdem informieren wir uns schon länger laufend auf Internetseiten wie z. B. Israel-Shalom, Aktionsforum Israel.

Totes Meer und gegenüber Jordanien

Warum habt ihr euch für eine Gruppenreise entschieden, warum seid ihr nicht auf eigne Faust losgezogen?“

Dies war ja unsere erste Reise nach Israel, deshalb wollten wir das noch nicht auf eigne Faust tun.

Der Gedanke war uns sympathisch, von einem israelischen Reiseleiter geführt zu werden, der sich wirklich auskennt in seinem Land und in der Geschichte seines Volkes. Und da wir gerne neue Leute kennenlernen wollten mit demselben Ziel, entschieden wir uns für eine Gruppenreise.

Zunächst war uns sehr wichtig, dass wir mit einer Organisation reisen, die israelfreundlich ist. Das ist leider nicht bei allen Angeboten der Fall. Wir kamen über Friedemann Tröger auf die Liebenzeller Mission, da er mit dieser Mission schon Reisen nach Israel zusammengestellt, begleitet und selbst mit Frau und Tochter kurze Zeit dort gewohnt hat.

Beim Stöbern in deren Reiseangeboten stießen wir auf diese Aktivreise, bei der man nicht nur im Bus sitzt, sondern neben den vielen historischen und anderen Sehenswürdigkeiten den Jesus-Trail erwandert, mit dem Jeep die Judäische Wüste erkundet, auf dem Jordan mit dem Schlauchboot fährt, baden kann im Toten Meer, sowie im See Genezareth und im Mittelmeer. Ausgrabungen in Cäsarea standen sogar auf dem Programm und Highlights wie Masada und drei Tage Jerusalem!

Es würde jeden Tag einen geistlichen Impuls, eine Andacht geben, was im Heiligen Land nochmal spannender sein müsste, wenn man das an den biblischen Orten erlebt. Das alles klang einfach nach einer perfekten Mischung und wir hatten Lust darauf!

Sonnenaufgang am Toten Meer

Etwas vom Hörensagen kennen ist eine Sache, aber wie habt ihr es erlebt, das erste mal in Israel zu landen?“

Der Moment, als wir erstmals israelischen Boden unter den Füßen hatten, war sehr spannend und besonders: ich genoss das Bewusstwerden im „Heiligen Land“ zu sein, von dem wir überall in der Bibel lesen, wo Gott in Jesus als Mensch auf die Erde kam u.s.w., wo das Christentum seine Wurzeln hat. Mein Mann hingegen stellte sich vor, wie es für all die Juden sein muss, wenn sie von allen Enden der Erde zurückkehren in das Land ihrer Vorväter und am Flughafen jubelnd willkommen geheißen werden – erstmals überhaupt irgendwo willkommen zu sein!

 

Buchcover Israel Trail mit Herz - Das Heilige Land zu Fuß, allein und ohne Geld“Christian Seebauers Buch ‘Israel Trail mit Herz’ ist verantwortlich dafür, dass wir zwei Jahre früher als gedacht unsere Reise nach Israel gemacht haben. Es ist mehr als ein Reisebericht, man verliebt sich beim Lesen in dieses Volk und sein Land.”

Ulrike Ender

 

Wie habt ihr die Gruppe und die Leiter erlebt?“

Unsere gemischte Gruppe zählte 31 Personen im Alter zwischen Anfang zwanzig und Mitte sechzig, es gab Singles und Ehepaare, Israel-Neulinge wie wir und Wiederkehrer. Bis auf einen Tag unternahmen wir alles gemeinsam. Manchmal trafen wir uns bei Mondschein auf der Terrasse oder in einem Kibbuz-Garten mit Gitarre und sangen uns voller Leidenschaft durch das ganze Lobpreis- Liederheft.

Bei den Mahlzeiten bildeten wir immer wieder neue Tischgruppen, so konnte man sich gut kennenlernen. Wir fanden das spannend und bereichernd.

Für die geistliche Leitung war Robbert Speelman von der Liebenzeller Mission zuständig. Ihn lernten wir bereits in Frankfurt am Flughafen kennen: ein sehr freundlicher, sportlich wirkender Holländer mit schwäbischem Akzent („Schwester Lenchens“ Einfluss von den Liebenzellern!), was stets für eine lockere Atmosphäre sorgte und uns sehr amüsierte. Seine „Andächtle“, wie er seine geistlichen Impulse liebevoll nannte, waren sehr anschaulich und geprägt von persönlichen Erfahrungen, großer Bibelkenntnis und tiefem Glauben. Außer seiner Bibel hatte er auch immer eine kleine Webcam am Start.

Am Ben-Gurion-Flughafen wurden wir herzlich empfangen von Yossi Tal, dem liebenswerten und humorvollen Reiseleiter von G&S-Travel in Haifa. Wir hatten bald ein sehr ungezwungenes und freundschaftliches Verhältnis zu ihm. Wie oft sagte er, wenn er von historischen Orten sprach: “Man sagt, es war hier. Aber man weiß es nicht genau. Ist das wichtig? Nein, aber es ist interessant!“ Wir liebten das und hatten unseren Spaß, soviel ist sicher!

Unser ständiger Busfahrer namens Ibrahim, war ein junger Araber, sehr hilfsbereit und freundlich. Er erwies sich als geschickter Lenker auf jedem Gelände und blieb stets gelassen selbst in heiklen Verkehrssituationen.

Unsere beiden Leiter: links Robbert Speelmann, der Holländer, rechts Yossi Tal, der Israelische Reiseleiter vor eine Spendentafel des JNF-KKL

Wie war der direkte Kontakt zu den Israelis?“

Am Anfang haben wir bei einem Ausflug ins Karmelgebirge ein Drusendorf besichtigt. Eine junge, sympathische und aufgeschlossene Frau führte uns herum und erzählte uns, was es mit dieser Religion auf sich hat, zu der sie gehört und davon, dass sie auch unter Verfolgung litten. Drusen findet man in mehreren Ländern, aber sie sind stets loyal dem Land gegenüber, in dem sie leben, Militärdienst inklusive.

Anschließend wurden wir dort planmäßig zu einem landestypischen, köstlichen und reichhaltigen Mahl eingeladen. In jenem riesigen Speise-und Wohnzimmer gab es viele Sitzgruppen, die aus zusammengewürfelten Möbeln verschiedenster Stile bestanden auf bunten Teppichen. Wandbehänge und Bilder von Ahnen zierten die Wände. Und trat man ans Panoramafenster, bot sich einem eine grandiose Aussicht von den Bergen auf die Bucht von Haifa.

 

Ein andermal machten wir Pause an einer Raststätte, im Shop fielen uns zwei junge Soldatinnen auf, die offensichtlich großzügigen Rabatt und einen Extra-Kaffee von der Kassiererin bekamen. Sie suchten sich, wie auch wir, draußen ein schattiges Plätzchen an den Tischen und Stühlen. Ich war so neugierig und musste sie einfach ansprechen. Sie reagierten sehr freundlich und offen. Es stellte sich heraus, dass sie auf die Reparatur ihres Militärfahrzeuges warteten. Wir plauderten miteinander über ihren Armeedienst und ihre Wurzeln, denn die Eine sah afrikanisch aus, was sie uns bestätigte. Sie wollten im Gegenzug wissen, was uns nach Israel gezogen hat. Die Situation war sehr entspannt und die Freude über dieses zufällige Zusammentreffen war auf beiden Seiten spürbar. Ich sprach ihnen meinen Respekt für ihren Einsatz aus und wir verabschiedeten uns mit einem Segen.

 

Manchmal erlebten wir israelische Großzügigkeit, wenn wir oder andere Gruppenmitglieder in Souvenirshops etwas bezahlen wollten und es nicht passend hatten oder der Kassierer nicht rausgeben konnte, dann wurde das immer zugunsten des Kunden geregelt.

Am fünften Tag campierten wir fürstlich im religiösen Kibbuz Lavi mit einem professionell geführten Hotel und eigenem Souvenir-shop, in dem es israelischen Schmuck, Menoras und allerlei andere schöne Dinge gab. Die Verpflegung im Restaurant am Buffet war sensationell. Die Bedienungen waren sehr zuvorkommend und liebenswürdig. In diesem Kibbuz-Hotel hatten wir auch Gelegenheit uns mit einer dort ansässigen Holocaust-Überlebenden zu treffen und zu sprechen, was sehr bewegend war. Ein Satz blieb mir in Erinnerung:“You need a special sense of humor to survive!“Abschließend traf sich unsere Gruppe auf der Terrasse für einen Drink.

Klagemauer

Habt ihr auch erlebt, wie die Juden den Schabbat feiern?“

In gewisser Weise schon!

Freitags reisten wir nach dem Frühstück weiter, denn am Schabbat beherbergt dieses Kibbuz-Hotel keine Gäste! Die tun dann wirklich garnichts. Beispielhaft!

Wir besichtigten einige Wirkungsstätten Jesu am See Genezareth: Kapernaum mit seinen Ausgrabungen, den Berg der Seligpreisungen und danach noch eine erfrischende Rafting-Tour auf dem Jordan.

Israelisches Essen ist ein Traum für Veganer/Innen

Abends quartierte man uns im Gästehaus des Kibbuz Ohalo am See Genezareth ein. Im Apartment bemerkte ich zu meinem Entsetzen das Fehlen meiner kleinen Lederhandtasche, in der sich auch mein Portemonnaie befand mit ca. 200 Euro Bargeld, sowie EC-Karte, Führerschein und Personalausweis. Ich wendete mich gleich an Robbert Speelman und wir brachten die Angelegenheit vor den Höchsten und baten ihn darum, seine Hände schützend über die Handtasche samt Inhalt zu breiten. Als Nächstes suchten wir Hilfe an der Rezeption.

Die freundlichen jungen Damen versuchten vergeblich im Kibbuz Lavi anzurufen um zu fragen, ob meine Tasche auf der Terrasse oder im Zimmer liegengeblieben sei. Aber am Schabbat nimmt man dort nicht einmal den Telefonhörer ab. Es wäre nur eine halbe Stunde Fahrt dorthin gewesen mit einem Taxi, aber man hätte uns nicht die Tür aufgemacht am Schabbat. Ich rief unseren Reiseleiter Yossi Tal an, der ausgerechnet diesmal nicht gemeinsam mit uns untergebracht war. Er wollte sich was überlegen.

Etwas unruhig und hilflos begaben wir uns in den Speiseraum, wo die anderen aus der Gruppe längst am Essen waren. Mein Appetit hielt sich angesichts der dummen Situation in Grenzen, trotz des üppigen Angebotes an herrlichen Speisen.

An diesem Abend konnte niemand etwas unternehmen, um uns weiterzuhelfen. Ich musste das aushalten und auch den nächsten Tag vergehen lassen, an dem uns der Bus immer weiter vom Kibbuz Lavi wegbrachte nach Jerusalem. Auf dem Programm stand ein Besuch im Garten Gethsemane mit sehr alten Olivenbäumen. Ein atemberaubender Blick vom Ölberg auf Jerusalem und eine Andacht mit israelischem Willkommensmahl von Yossi und anschließendem Abendmahl von Robbert, für diese spontane Besonderheit wurde Brot und Wein nochmal geteilt. Ich versuchte, den Tag trotzdem zu genießen und zu vertrauen, dass die Tasche wieder unversehrt zu mir gelangen möge. Danach stiegen wir hinab in die Altstadt Jerusalems. Highlight war ein Gang durch den vollkommen dunklen, wasserführenden Hiskia-Tunnel bis zum Teich Siloah, ein Marsch von 45 Minuten.

Diesmal wurden wir im Hotel IBIS in Jerusalem untergebracht. Und erst danach, gegen 21 Uhr, als der Schabbat zu ende war, erreichte Yossi Tal eine Angestellte im Kibbuz Lavi. Nach fünf Minuten fanden sie meine Tasche und nichts fehlte daraus – ein Wunder! Die Frage stellte sich, wie ich an meine Tasche kommen sollte. Yossi kontaktierte einen Kollegen namens David, der mit einer anderen Reisegruppe dort in der Nähe war und Sonntagabend ebenfalls Jerusalem als Ziel hatte.

Laden im jüdischen Viertel

So brachte jemand vom Kibbuz Lavi meine Tasche an einen vereinbarten Treffpunkt mit dem Touristen-Bus von Davids Reisegruppe. Zur Sicherheit schickte uns David ein Foto der Tasche per Whatsapp, das ich per Sprachaufnahme bestätigen musste. Mittags bekamen wir Bescheid, dass um 18 Uhr an einem bestimmten Hotel irgendwo in Jerusalem die Taschenübergabe stattfinden sollte. Zum Glück war uns Yossi sehr behilflich und stoppte ein Taxi für uns, aber der Fahrer wollte uns nicht transportieren. Beim zweiten Taxi hatten wir Glück, diesem Fahrer gab Yossi auch gleich die Handynummer von David, weil es von unserem Handy aus zu teuer wäre! Welch eine Fürsorge! Das alles war sehr aufregend. Wir fuhren kreuz und quer durchs nächtliche Jerusalem, bis wir dieses Hotel erreichten. Der Fahrer wählte Davids Nummer – vergeblich! Er versuchte es wieder, auch ohne Erfolg. Langsam wurden wir nervös. Er teilte uns mit, dass wir jetzt aussteigen müssten, er nähme uns nicht mit zurück, weil er noch ein Date hätte. In dem Moment klopfte jemand an die Scheibe: es war David, grade eingetroffen mit dem Bus!

Erleichtert und froh stiegen wir aus, nachdem wir bezahlt hatten. David begrüßte uns, holte die Tasche aus dem Bus und zeigte sie mir zur letztendlichen Identifizierung und bat mich nachzusehen, ob auch nichts fehlte. Ich sah nach, überflog die Kartenfächer und ließ meinen Daumen die Banknoten blättern – alles war drin! Unglaublich! Ich war so glücklich diese geschmeidige, glatte Ledertasche wieder in Händen zu halten und wollte mich erkenntlich zeigen. Als ich David einen Geldschein hinhielt, da lehnte er kopfschüttelnd ab und sagte: „Ich erzähle dir eine Geschichte!“. Und dann erzählte er mir, wie er einer Touristin auf abenteuerliche Weise einen kostbaren Ring zum Flughafen bringen ließ, den sie in der Wüste verloren und er ihn gefunden hatte. Kurz bevor der Flieger abhob, erreichte der beauftragte Fahrer die Glückliche. Auch sie wollte dafür bezahlen und jetzt raten sie, was derjenige zu ihr sagte! Genau: „Ich erzähle ihnen eine Geschichte!“ Und so bekam auch sie so eine Geschichte zu hören mit dem Ende: „Pass it on!“

Israel ist eines der sichersten Länder der Welt!

 

David erzählte mir genaugenommen ca. drei Geschichten und am Ende sagte er zu mir:“Pass it on, pass it on!“ („Gib es weiter, gib es weiter!“). Anschließend bestellte er uns ein Taxi für die Rückfahrt zu den „Liebenzellern“, wie es manchmal auf unseren Tischreservierungen zu lesen war. Die saßen inzwischen sicher schon fröhlich schmausend beim Abendessen und warteten auf uns. Wie sie wohl reagieren würden?

Bei unserem Eintreten ins Restaurant verstummten plötzlich die Gespräche und alle Augen waren auf uns gerichtet. Ich hob wortlos das Beweisstück hoch. Da brach großer Jubel und lauter Beifall die Stille. Alle freuten sich und gratulierten uns, als ob wir nen Sechser im Lotto erzielt hätten. Der Kellner füllte nochmal die Schüsseln auf und dieses Abendessen genossen wir ganz besonders und waren einfach glücklich.

Wie habt ihr die sogenannten ‚Wächter Jerusalems‘ erlebt?“

Besonders nahe den Stadttoren wie z.B. dem Jaffator, Zionstor und Damaskustor präsentierten sich diese Wächter, männliche und weibliche Polizisten. Sie machten einen sehr konzentrierten und wachsamen Eindruck und dennoch waren sie freundlich und entspannt. Sie wirkten sehr vertrauenerweckend auf uns, wir fühlten uns sicher. Wenn wir für ein Foto fragten, waren sie gerne bereit und sogar zu Späßen aufgelegt.

Gab es Orte, die euch besonders beeindruckt haben?“

Das ist schwer zu sagen, denn das Wandern durch Galiläa entlang des Jesus-Trails hat einem eine Vorstellung gegeben, wie Jesus mit seinen Jüngern dort gegangen sein musste. Man kann das nicht unberührt tun. Für meinen Mann z.B. war Jerusalem am schönsten und am beeindruckendsten mit seinen Toren und der Davidszitadelle. Das war auch für mich die schönste und bedeutendste Stadt. Am Schabbat und an einem Werktag besuchten wir die Klagemauer, ‚Kotel‘ nennen sie die Israelis. Das war sehr bewegend. Oder auch Masada in der Judäa-Wüste! Aber es gab einen Ort, der mich zu Tränen rührte, zuerst vor Scham dort als Deutsche und auch vor Mitgefühl den Juden gegenüber und das war in Yad Vashem! Es war unbeschreiblich! Aber als wir diese Gedenkstätte verließen um zum Parkplatz zu gelangen, mussten wir durch gemauerte Tore und darüber war eingemeißelt ein Wort Gottes, dass ich hier zitieren möchte:

Ich gebe euch meinen Geist, damit ihr lebt, und ich bringe euch in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich, der Herr, es angekündigt und auch ausgeführt habe. Ich, der Herr, habe gesprochen!“

Nachzulesen in Hesekiel 37, Vers 14. Welch eine Verheißung, welch ein Trost nach alledem! Das hat mich am tiefsten beeindruckt!

 

Würdet ihr das Reisen nach Israel weiterempfehlen?“

Auf jeden Fall! Dieses Land ist schön und besonders, letzteres aufgrund seiner langen Geschichte, die man in der Bibel nachlesen kann. Es ist spannend zu sehen, was alles ausgegraben wird, die ganzen Stätten sind Zeugen der Vergangenheit. Da ist Bewegung drin und immer neue Überraschungen.

Die Israelis haben wir so positiv erlebt. Es sind überwiegend fröhliche und gelassene Menschen, gastfreundlich, offen, hilfsbereit, sehr tolerant Andersdenkenden gegenüber und intelligent, tapfer, mutig, diszipliniert und fleißig. Sie lassen sich nicht unterkriegen, wo sie doch seit jeher bedroht und bekämpft werden. Man kann viel von ihrer Haltung lernen, finde ich. Und schaut euch an, wie sie die Wüste fruchtbar gemacht haben! Dieses Land startet durch mit z. B. technischen und medizinischen Entwicklungen, um nur eine Kleinigkeit zu erwähnen. Das muss man gesehen und erlebt haben! Es ist zu spüren, wer über dieses Volk wacht! Wir wollen wieder nach Israel reisen!

 


 

Über mich:

Ulrike Ender, Jahrgang 1959, geboren in Bayern als Jüngstes von sechs Kindern. Seit 1981 verheiratet mit Bruno, wir haben zusammen fünf gesunde Kinder, die längst alle erwachsen und aus dem Haus sind. Inzwischen sind wir auch Großeltern, pflegen und genießen das Familienleben auf neue Art und Weise, konzentriert auf manches Wochenende oder auf gemeinsamen Urlaub.

Ich arbeite als Fachkraft in einem Wohnhaus für Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung.

In meiner Freizeit engagiere ich mich in einer evang. Freikirche, ich male und schreibe gerne.

Und ich liebe Israel!

 


 

Jeder hat ein Motiv! Ulrike Ender schreibt darüber:

https://ulrikeender.files.wordpress.com/2014/04/cover_31.png?w=300&h=218Leseprobe aus dem Buch “Noch manchmal höre ich dich lachen”
Vom Loslassen und Abschied nehmen
Ulrike Ender
Verlag Lebensreise, ISBN: 978-3-639-68629-6

Über das Buch:

In meinem Buch erzähle ich von den letzten sechs Wochen im Leben meiner Schwester Christiane, die einen Schlaganfall erlitt als vermutliche Folge von ins Gehirn gewanderten Krebszellen eines Melanoms. Im Gehirn wuchsen rasch Metastasen. Das klingt schrecklich.

Dennoch ist es kein durchweg trauriges Buch. Rückblicke in gemeinsam Erlebtes bis in die Kindheit zeigen, welch ein genialer und lebensfroher Mensch sie war. Es geht auch um die Auseinandersetzung mit dem nahenden Tod und der verbleibenden Zeit. Und es  gibt Zeugnis von der Treue Gottes und seiner tragenden Liebe in all der Schwere.

 

Mir kommt der Gedanke, dass Chris diesen Strand wahrscheinlich nie wiedersehen wird.

Und das ist ihr vermutlich über Nacht klar geworden.

 

„Hast du letzte Nacht überhaupt schlafen können?“, frage ich.

Sie schüttelt den Kopf und tupft sich mit einem zerknüllten, durchnässten Taschentuch die Tränen ab.

„Du hast viel nachgedacht?“

Stumm nickt sie und wieder laufen die Tränen.

Einen Momentlang überlege ich, wie ich sie trösten könnte.

„Weißt du noch, wie wir vor ein paar Jahren dort gemeinsam Urlaub machten?“

Zwischen die Tränen mischt sich ein zaghaftes Lächeln.

„Wir verbrachten schon eine Woche bei herrlichem Sommerwetter in der Lübecker Bucht.

Du kamst mit deinen beiden Kindern ein paar Tage später nach, im Anschluss an eine Schwedentour. Erinnerst du dich?“

Auch das weiß sie noch und nickt.

„Ich weiß noch genau, wie du den Koffer ausgepackt hast…!“

Einen Augenblick halte ich inne, um zu sehen, ob ihr einfällt, welche Story jetzt kommt, aber sie reagiert nicht. Ich fahre fort:

„Einen sommerlichen, weißen Plissee-Rock brachtest du zum Vorschein, reichlich kurz!“

Aha! Ein Schmunzeln zeigt sich in ihrem Gesicht…

„Bei näherem Hinschauen entdeckte ich zu meinem Erstaunen, dass jede Falte von oben bis unten mit unzähligen Stecknadeln fixiert war.“

Chris fängt heiser an zu lachen.

„Es müssen Hunderte von Nadeln gewesen sein!“

(Das muss man sich mal vorstellen!)

„Ich hab‘ dich noch gefragt, wozu um alles in der Welt du dir diese Arbeit gemacht hast.

Mit entwaffnender Selbstverständlichkeit hattest du erwidert:

Blöde Frage! Glaubst du, ich will im Urlaub bügeln?

Wir alle amüsieren uns köstlich in Gedanken an diese Szene und es tut gut, mal wieder lachen zu können, wenn auch auf dünnem Eis.

Über dem Ostsee-Foto hängt noch etwas anderes, was Chris‘ Aufmerksamkeit immer wieder fesselt.

Sie zeigt auf das Poster mit dem Sandstrand und den Fußspuren.

Das passt so gut zu ihrer Sehnsucht nach der Ostsee und das bekannte Gedicht von Margret Fishback-Powers hilft ihr durch so manches Tal. Daran klammert sie sich.

Sie bittet mich leise, es vorzulesen:

 

Spuren im Sand

 

Ich träumte eines Nachts,

ich ging am Meer entlang

mit meinem Herrn.

Und es entstand vor meinen Augen,

Streiflichtern gleich, mein Leben.

 

Nachdem das letzte Bild an uns

vorbeigeglitten war, sah ich zurück

und stellte fest,

dass in den schwersten Zeiten

meines Lebens

nur eine Spur zu sehen war.

 

 

Das verwirrte mich sehr,

und ich wandte mich an den Herrn:

Als ich dir damals alles,

was ich hatte, übergab,

um dir zu folgen, sagtest du,

du würdest immer bei mir sein.

Warum hast du mich verlassen,

als ich dich so verzweifelt brauchte?“

 

Der Herr nahm meine Hand:

Geliebtes Kind,

nie ließ ich dich allein,

schon gar nicht in Zeiten der Angst und Not.

Wo du nur ein Paar Spuren

in dem Sand erkennst,

sei ganz gewiss: ICH HABE DICH GETRAGEN.

 

Verzweiflung

 

Ganz still ist es im Raum geworden.

Chris‘ Hand liegt in der meinen.

Ihre Augen schwimmen.

Ich fühle, wie Angst und Hoffnung in ihr miteinander ringen.

Sie zittert, runzelt die Stirn.

Lächelt, während das Kinn verdächtig bebt.

Doch der Druck ist zu stark und sucht sich ein Ventil.

Und dann bricht sich unter haltlosem Schluchzen die ganze Verzweiflung der vergangenen Nacht Bahn.

Sie sieht ihr Leben davontreiben in einem reißenden Strom.

Aus dem Augenwinkel beobachte ich, wie sich Lilly dichter an ihre Cousine kuschelt, das Ganze macht ihr wohl ein bisschen Angst.

Neben mir drückt Chris immer fester meine Hand, bis ich mich schließlich zu ihr hinabbeuge und sie im Arm halte, während sie sich ausschüttet.

Welch ein Jammer!

Noch nie habe ich so mitempfunden und mitgelitten wie in diesem Moment.

Es ist so schrecklich, dass ich sie nicht einfach retten kann.

Nach einer ganzen Weile erst versiegen die Tränen.

Erschöpft und leer liegt meine Chris in ihren Kissen.

Langsam beruhigt sie sich.

„Liebe große Schwester, halte dich fest an dieser Aussage, dass du getragen wirst. Und Gott ist der zuverlässigste Mann in deinem Leben, stimmt‘s?“

Bei dieser Feststellung lacht sie plötzlich, sie hat wohl die Anspielung auf ihre gescheiterten Partnerbeziehungen herausgehört.

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Text und Fotos (c) Ulrike Ender

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