Am Shvil Israel von Mazor nach Gimzo

Von Mazor nach Gimzo

Etwa 27 Kilometer, ca. 290 Höhenmeter Gesamtanstieg. Trinkwasserverbrauch 5 Liter.

Oren nimmt es genau. Er bringt mich wieder dahin, wo er mich aufgelesen hat. Und er schenkt mir dabei keinen einzigen Meter. Mit einem sportlichen „Neeeeiin, da hinten erst“, lässt er mich da hinten erst aussteigen. Ich hoffe, dass ich sie alle wieder sehe. Oren und Israela sind einfach eine total nette und coole Familie. Und nach 23 Tagen habe ich endlich wieder gewaschene Sachen am Leib. Schon eine lange Zeit. Und so sauber, das fühlt sich gut an. Gleich geht es am Feldweg links durch eine Autobahnunterführung, und dann werde ich wieder fernab vom Verkehr in reinste Natur eintauchen. „Unterführung“ war vielleicht ein wenig übertrieben. Eher handelt es sich hier um eine Art betonierte Röhre, vollgelaufen mit Schlamm und Regenwasser der letzten Tage. Am Beton ist recht witzig neben dem Trail-Logo auch ein Fahrradsymbol aufgespritzt. Witzig, weil die Röhre kaum so hoch ist wie ein Fahrrad. Vor meinem geistigen Auge stelle ich mir hier einen träumenden Radfahrer vor, den es dann recht unsanft mit einer Kopfnuss vom Sattel reißt.

Als Fußgänger wird diese Übung für mich ein Leichtes. Kopf einziehen, und am linken betonierten Rand bleiben. Der ist oberhalb der Wasserkante. Beim Hineingehen muss ich nur um diese kleine Ecke kommen. Um eine selbsterfüllende Prophezeiung handelt es sich, wenn der Kopf sich etwas ausmalt, was eigentlich nicht passieren sollte. Während ich um die Ecke gehe, befindet sich mein Rucksack, nein, der Schwerpunkt des Körper-Rucksack-Systems, außerhalb des Systems, was im Prinzip ein instabiles System bedeutet, welches streng der Schwerkraft und dem vorhandenen Drehimpuls folgend – oh nein! Nicht schon wieder!

Nass gebadet, gleich in den ersten fünf Minuten. Und ich muss nicht extra betonen, dass es sich bei dem Wasser unterhalb der Autobahn keinesfalls um eine klare und einladende Quelle in der Wüste handelt, in die man gerne fallen würde. Nein, hätte ich nicht ans Hinfallen gedacht, wäre ich hier auch nicht reingefallen. Und weil ich jetzt wissen möchte, ob es geklappt hätte, gehe ich zurück. Versuche es noch einmal. Natürlich klappt es. Obwohl sich der Schwerpunkt des Systems… – aber lassen wir das. Ich fühle mich gerade überhaupt nicht belustigt.

Gut, lieber Gott. Was immer du mir sagen möchtest. Ich nehme meine pitschnassen Schuhe an. Auch meine dreckige Kleidung nehme ich an. „Jaaa, ich bin ein Penner!“ rufe ich laut vor mich hin. Hören wird mich hier freilich niemand. Außer Gott. Und der hat bestimmt gerade ganz andere Aufgaben, als sich um einen Trottel mit nassen Schuhen zu kümmern. Pitsch, patsch, pitsch. Warm wirst du erst links, wenn dein Schuhband sich verfängt, und die Schwerkraft dich erneut nach unten drängt. Jetzt reicht’s!

Meinen Rucksack funktioniere ich kurzerhand um zum Wäscheständer. Ein langer Holzstock, der herumliegt, kommt mir hier gerade gelegen. Ich muss lustig aussehen, so als wandelnde Wäscheleine. In der Tat, schon bald habe ich das erste Gelächter auf meiner Seite. Zwei Mountainbiker bleiben stehen und fragen, ob ich ihnen auch ihre Wäsche mal eben waschen möchte. Sie kämen dann wieder vorbei, wenn sie trocken ist. Wie witzig.

Ist aber auch egal. Heute läuft es gut. Also, es läuft einfach. Picknick mache ich in einem einladenden Wald von KKL. Der begleitet mich schon wieder seit Tagen. Alles, was hier grün ist, scheint von diesen Leuten zu sein. Von den Spendern, besser gesagt. In allen möglichen Sprachen begegnen mir hier die steinernen Gedenktafeln, die ein bisschen aussehen wie Grabsteine. Sind sie aber nicht, Gott sei Dank! Gut, manchmal mag es so sein, dass der oder die Spenderin nicht mehr zu Gast auf dieser Welt ist und jetzt woanders seine Berufung hat. Aber wer kann schon von sich sagen, auf dieser Welt außer ein paar blöden Sprüchen etwas Gutes hinterlassen zu haben. Auch wenn die Spendentafeln am Anfang für mich recht skurril gewirkt haben, sehe ich immer mehr das Große und Ganze einer solchen Spende.

Eine hölzerne Tafel mit dem blau-grün und ockerfarbenen Logo des KKL lädt mich ein, hier am Eingang des Giv’at Koa Forest zu verweilen. Blau steht für Wasserprojekt, grün für die Wälder und ocker für die Landbearbeitung. Hier am Eingang sehe ich auch ein paar frisch gepflanzte Setzlinge. Zu ihnen setze ich mich. Was für ein komisches Wesen bist du, mögen die jetzt denken. Wenn sie denken können. Fühlen können Pflanzen auf jeden Fall. Vielleicht nicht so wie wir. Aber das macht uns Menschen ja auch manchmal mehr Probleme, als uns lieb ist.

Heute vermutet man, dass Pflanzen durchaus eine Art Bewusstsein haben. Sie warnen sich zum Beispiel bei Schädlingsbefall mit chemischen Botenstoffen, sodass andere Artgenossen schon im Vorfeld so etwas wie Abwehrstoffe produzieren können. Bäume haben also tatsächlich eine Sprache. Und sie unterscheiden offenbar nach neueren Erkenntnissen auch zwischen ganz verschiedenen Ereignissen. Sie reagieren differenziert und vorausschauend. Für die menschliche Beobachtung erschließt sich diese Welt aber nicht. Für mich bewegen sich die beiden Setzlinge neben mir ein bisschen im Wind. Das war’s aber auch schon. Ob sie mitbekommen, dass ich mich gerade für sie interessiere? Dass ich ihnen gut gesonnen bin? „Der kommt wieder“, könnte der eine sagen. „Ja, ja, vielleicht als alter Mann“, könnte der andere sagen. Zeit spielt für die beiden eine andere Rolle als für mich. Und doch leben wir in derselben Welt. Ich atme den Sauerstoff ein, den die beiden produzieren. Ohne ihn könnte ich nicht weitergehen. Und das tue ich nun.

Leider gibt es mitten in der Natur auch hin und wieder Dinge, die nicht in mein Bild passen. Bergab laufe ich auf ein kleines Gewerbegebiet zu und durchquere es. Hier sitzt ein Teil des Nestlé-Konzerns. Wie gut erinnere ich mich an das Youtube-Video, in dem der Ex-Nestlé-Chef Peter Brabeck-Letmathe sich über uns kleine Menschen so verachtungsvoll lustig macht: „Wasser braucht das liebe Vieh, hollera, holleri…”. Er bezeichnet Wasser als „Rohmaterial“, als „das wichtigste Rohmaterial, das wir heute noch auf der Welt haben. Und es geht darum, ob wir die normale Wasserversorgung der Bevölkerung privatisieren oder nicht“. Es sei die extreme Meinung einiger Nichtregierungsorganisationen (NGO’s), Wasser zu einer Art „öffentlichem Recht“ zu erklären. Als Mensch das Recht auf Wasser zu haben, sei seiner Meinung nach „eine Extremlösung“. „Wasser ist ein Lebensmittel. So wie jedes andere Lebensmittel sollte das einen Marktwert haben“, sagt er.i

Der Nestlé-Konzern verbarrikadiert sich hier wohl nicht ohne Grund hinter Sicherheitszäunen. Der vorbeigehende Passant fühlt sich unwohl und überwacht. Meine Kamera stecke ich weg. Hier beschleicht mich das Gefühl, gleich vom Werkschutz verhaftet zu werden. Ja, liebe Vorstände. Wasser hat für mich schon einen Wert. Auch wenn es nicht von Nestlé kommt. Es ist schön, wenn ich es geschenkt bekomme. Und es ist ebenso schön, wenn ich es – wo immer ich bin – frei zapfen kann, ohne dabei gegen Markenrechte eines Konzerns zu verstoßen.

Ich bin heilfroh, als ich nur wenige hundert Meter weiter durch eine schöne Aufforstung laufe. Was für ein krasser Gegensatz. Hier wird Idealismus gelebt. Und da hinter mir zählt nur die Gier. Rasch ist die Marktwirtschaft wieder vergessen und herrlichste Landschaft breitet sich in meinen Gedanken wieder aus. Heute gehe ich mit großen und leichten Schritten dahin. Feldwege über Feldwege, Wald und Wiesen, duftende Blumen, dazu ist der Himmel leicht bewölkt. Es ist warm, aber nicht heiß. So zu wandern ist einfach wunderbar. Die Strecke ist immer wieder mal hügelig und dann wieder flach. Ein stetes Auf und Ab. Meine nächste Pause mache ich auf einer klobig gehauenen weißen Marmorbank, die hier einsam am Waldrand steht. Gestiftet von Sandra und Stephen Muss aus Miami Beach, gewidmet ihrer Mutter Lucy Rosenzweig und dem KKL. Irgendwie ein wenig kitschig. Irgendwie aber auch berührend.

Fast komme ich ins Stocken, ob ich mich hier als Wanderer niedersetzen kann und hier einfach ein paar Brotkrümelchen essen darf. Ein wenig erinnert mich die Marmorbank schon an einen ehrenwerten Grabstein, wie sie da vollkommen ins dichte Grün eingewachsen ist. Sie führt hier eine Art Dornröschendasein. Aber jetzt ist sie für mich da und ich kann meine Füße ein wenig ausruhen. Danke Lucy!

Ziel des Tages wäre das Dörfchen Gimzo. Das liegt verschlafen und idyllisch auf einer kleinen Anhöhe rechts von mir. Ich möchte aber einfach noch ein paar Kilometer wandern. Nach einer halben Stunde gemütlichem Fußmarsch komme ich dann auf einen Hügel, den Hirbat Ragav. Hier habe ich einen traumhaften 360 Grad Rundumblick. Eingesäumt von einem zerfallenen Steinmäuerchen stehe ich auf einem kleinen Olivenhain. Ideal für mein Zelt. Hier bleibe ich. In der Nacht regnet es leicht.

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    Textauszug Israel-Trail.com Am Shvil Israel von Mazor nach Gimzo Von Mazor nach Gimzo Etwa 27 Kilometer, ca. 290 Höhenmeter Gesamtanstieg. Trinkwasserverbrauch 5 Liter. Oren nimmt es genau. Er bringt mich wieder dahin, wo er mich aufgelesen hat. Und er schenkt mir dabei keinen einzigen Meter. Mit einem sportlichen „Neeeeiin, da hinten erst“, lässt er mich da hinten erst aussteigen. Ich hoffe, dass ich sie alle wieder sehe. Oren und Israela sind einfach eine total nette und coole Familie. Und nach 23 Tagen habe ich endlich wieder gewaschene Sachen am Leib. Schon eine lange Zeit. Und so sauber, das fühlt sich gut an. Gleich geht es am Feldweg links durch eine Autobahnunterführung, und dann werde ich wieder fernab vom Verkehr in reinste Natur eintauchen. „Unterführung“ war vielleicht ein wenig übertrieben. Eher handelt es sich hier um eine Art betonierte Röhre, vollgelaufen mit Schlamm und Regenwasser der letzten Tage. Am Beton ist recht witzig neben dem Trail-Logo auch ein Fahrradsymbol aufgespritzt. Witzig, weil die Röhre kaum so hoch ist wie ein Fahrrad. Vor meinem geistigen Auge stelle ich mir hier einen träumenden Radfahrer vor, den es dann recht unsanft mit einer Kopfnuss vom Sattel reißt. Als Fußgänger wird diese Übung für mich ein Leichtes. Kopf einziehen, und am linken betonierten Rand bleiben. Der ist oberhalb der Wasserkante. Beim Hineingehen muss ich nur um diese kleine Ecke kommen. Um eine selbsterfüllende Prophezeiung handelt es sich, wenn der Kopf sich etwas ausmalt, was eigentlich nicht passieren sollte. Während ich um die Ecke gehe, befindet sich mein Rucksack, nein, der Schwerpunkt des Körper-Rucksack-Systems, außerhalb des Systems, was im Prinzip ein instabiles System bedeutet, welches streng der Schwerkraft und dem vorhandenen Drehimpuls folgend – oh nein! Nicht schon wieder! Nass gebadet, gleich in den ersten fünf Minuten. Und ich muss nicht extra betonen, dass es sich bei dem Wasser unterhalb der Autobahn keinesfalls um eine klare und einladende Quelle in der Wüste handelt, in die man gerne fallen würde. Nein, hätte ich nicht ans Hinfallen gedacht, wäre ich hier auch nicht reingefallen. Und weil ich jetzt wissen möchte, ob es geklappt hätte, gehe ich zurück. Versuche es noch einmal. Natürlich klappt es. Obwohl sich der Schwerpunkt des Systems... – aber lassen wir das. Ich fühle mich gerade überhaupt nicht belustigt. Gut, lieber Gott. Was immer du mir sagen möchtest. Ich nehme meine pitschnassen Schuhe an. Auch meine dreckige Kleidung nehme ich an. „Jaaa, ich bin ein Penner!“ rufe ich laut vor mich hin. Hören wird mich hier freilich niemand. Außer Gott. Und der hat bestimmt gerade ganz andere Aufgaben, als sich um einen Trottel mit nassen Schuhen zu kümmern. Pitsch, patsch, pitsch. Warm wirst du erst links, wenn dein Schuhband sich verfängt, und die Schwerkraft dich erneut nach unten drängt. Jetzt reicht’s! Meinen Rucksack funktioniere ich kurzerhand um zum Wäscheständer. Ein langer Holzstock, der herumliegt, kommt mir hier gerade gelegen. Ich muss lustig aussehen, so als wandelnde Wäscheleine. In der Tat, schon bald habe ich das erste Gelächter auf meiner Seite. Zwei Mountainbiker bleiben stehen und fragen, ob ich ihnen auch ihre Wäsche mal eben waschen möchte. Sie kämen dann wieder vorbei, wenn sie trocken ist. Wie witzig. Ist aber auch egal. Heute läuft es gut. Also, es läuft einfach. Picknick mache ich in einem einladenden Wald von KKL. Der begleitet mich schon wieder seit Tagen. Alles, was hier grün ist, scheint von diesen Leuten zu sein. Von den Spendern, besser gesagt. In allen möglichen Sprachen begegnen mir hier die steinernen Gedenktafeln, die ein bisschen aussehen wie Grabsteine. Sind sie aber nicht, Gott sei Dank! Gut, manchmal mag es so sein, dass der oder die Spenderin nicht mehr zu Gast auf dieser Welt ist und jetzt woanders seine Berufung hat. Aber wer kann schon von sich sagen, auf dieser Welt außer ein paar blöden Sprüchen etwas Gutes hinterlassen zu haben. Auch wenn die Spendentafeln am Anfang für mich recht skurril gewirkt haben, sehe ich immer mehr das Große und Ganze einer solchen Spende. Eine hölzerne Tafel mit dem blau-grün und ockerfarbenen Logo des KKL lädt mich ein, hier am Eingang des Giv’at Koa Forest zu verweilen. Blau steht für Wasserprojekt, grün für die Wälder und ocker für die Landbearbeitung. Hier am Eingang sehe ich auch ein paar frisch gepflanzte Setzlinge. Zu ihnen setze ich mich. Was für ein komisches Wesen bist du, mögen die jetzt denken. Wenn sie denken können. Fühlen können Pflanzen auf jeden Fall. Vielleicht nicht so wie wir. Aber das macht uns Menschen ja auch manchmal mehr Probleme, als uns lieb ist. Heute vermutet man, dass Pflanzen durchaus eine Art Bewusstsein haben. Sie warnen sich zum Beispiel bei Schädlingsbefall mit chemischen Botenstoffen, sodass andere Artgenossen schon im Vorfeld so etwas wie Abwehrstoffe produzieren können. Bäume haben also tatsächlich eine Sprache. Und sie unterscheiden offenbar nach neueren Erkenntnissen auch zwischen ganz verschiedenen Ereignissen. Sie reagieren differenziert und vorausschauend. Für die menschliche Beobachtung erschließt sich diese Welt aber nicht. Für mich bewegen sich die beiden Setzlinge neben mir ein bisschen im Wind. Das war’s aber auch schon. Ob sie mitbekommen, dass ich mich gerade für sie interessiere? Dass ich ihnen gut gesonnen bin? „Der kommt wieder“, könnte der eine sagen. „Ja, ja, vielleicht als alter Mann“, könnte der andere sagen. Zeit spielt für die beiden eine andere Rolle als für mich. Und doch leben wir in derselben Welt. Ich atme den Sauerstoff ein, den die beiden produzieren. Ohne ihn könnte ich nicht weitergehen. Und das tue ich nun. Leider gibt es mitten in der Natur auch hin und wieder Dinge, die nicht in mein Bild passen. Bergab laufe ich auf ein kleines Gewerbegebiet zu und durchquere es. Hier sitzt ein Teil des Nestlé-Konzerns. Wie gut erinnere ich mich an das Youtube-Video, in dem der Ex-Nestlé-Chef Peter Brabeck-Letmathe sich über uns kleine Menschen so verachtungsvoll lustig macht: „Wasser braucht das liebe Vieh, hollera, holleri...". Er bezeichnet Wasser als „Rohmaterial“, als „das wichtigste Rohmaterial, das wir heute noch auf der Welt haben. Und es geht darum, ob wir die normale Wasserversorgung der Bevölkerung privatisieren oder nicht“. Es sei die extreme Meinung einiger Nichtregierungsorganisationen (NGO’s), Wasser zu einer Art „öffentlichem Recht“ zu erklären. Als Mensch das Recht auf Wasser zu haben, sei seiner Meinung nach „eine Extremlösung“. „Wasser ist ein Lebensmittel. So wie jedes andere Lebensmittel sollte das einen Marktwert haben“, sagt er.i Der Nestlé-Konzern verbarrikadiert sich hier wohl nicht ohne Grund hinter Sicherheitszäunen. Der vorbeigehende Passant fühlt sich unwohl und überwacht. Meine Kamera stecke ich weg. Hier beschleicht mich das Gefühl, gleich vom Werkschutz verhaftet zu werden. Ja, liebe Vorstände. Wasser hat für mich schon einen Wert. Auch wenn es nicht von Nestlé kommt. Es ist schön, wenn ich es geschenkt bekomme. Und es ist ebenso schön, wenn ich es – wo immer ich bin – frei zapfen kann, ohne dabei gegen Markenrechte eines Konzerns zu verstoßen. Ich bin heilfroh, als ich nur wenige hundert Meter weiter durch eine schöne Aufforstung laufe. Was für ein krasser Gegensatz. Hier wird Idealismus gelebt. Und da hinter mir zählt nur die Gier. Rasch ist die Marktwirtschaft wieder vergessen und herrlichste Landschaft breitet sich in meinen Gedanken wieder aus. Heute gehe ich mit großen und leichten Schritten dahin. Feldwege über Feldwege, Wald und Wiesen, duftende Blumen, dazu ist der Himmel leicht bewölkt. Es ist warm, aber nicht heiß. So zu wandern ist einfach wunderbar. Die Strecke ist immer wieder mal hügelig und dann wieder flach. Ein stetes Auf und Ab. Meine nächste Pause mache ich auf einer klobig gehauenen weißen Marmorbank, die hier einsam am Waldrand steht. Gestiftet von Sandra und Stephen Muss aus Miami Beach, gewidmet ihrer Mutter Lucy Rosenzweig und dem KKL. Irgendwie ein wenig kitschig. Irgendwie aber auch berührend. Fast komme ich ins Stocken, ob ich mich hier als Wanderer niedersetzen kann und hier einfach ein paar Brotkrümelchen essen darf. Ein wenig erinnert mich die Marmorbank schon an einen ehrenwerten Grabstein, wie sie da vollkommen ins dichte Grün eingewachsen ist. Sie führt hier eine Art Dornröschendasein. Aber jetzt ist sie für mich da und ich kann meine Füße ein wenig ausruhen. Danke Lucy! Ziel des Tages wäre das Dörfchen Gimzo. Das liegt verschlafen und idyllisch auf einer kleinen Anhöhe rechts von mir. Ich möchte aber einfach noch ein paar Kilometer wandern. Nach einer halben Stunde gemütlichem Fußmarsch komme ich dann auf einen Hügel, den Hirbat Ragav. Hier habe ich einen traumhaften 360 Grad Rundumblick. Eingesäumt von einem zerfallenen Steinmäuerchen stehe ich auf einem kleinen Olivenhain. Ideal für mein Zelt. Hier bleibe ich. In der Nacht regnet es leicht. Eine private Bitte: Wenn Dir meine Beiträge gefallen und ich Dich Israel bewegt, dann gibt spende doch für ganz wenig Geld ein kleines Bäumchen. Es ist Deine Aktion! Unterstütze uns bei unserer Israelberichterstattung gegen Abmahnungen wie die der Angelika Kohlmeier Spende uns einen virtuellen Kaffee oder gerne auch etwas mehr! 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