Mit dem Rad durch Israel – Teil II

Johannes Reichert hat Israel mit dem Fahrrad erlebt. Hier lest Ihr den zweiten Teil seiner Story und ein Interview über seine Erfahrungen.  (Hier geht es zurück zum ersten Teil ->)

Ruhetag auf der Negev Camel Ranch bei Dimona

Ich wache früh auf, die ersten Sonnenstrahlen fallen durchs Fenster, der Himmel ist strahlend blau. Da sollte man nicht allzu lange im Bett verweilen, sondern hinaus in die Natur ziehen. Wer weiß, ob dieses schöne Wetter heute den ganzen Tag über anhalten wird. Da kann ich auch gleich einige der Bilder nachmachen, die ich gestern Abend gelöscht habe. Gesagt, getan. Schnell bin ich angezogen und ab geht’s, hinaus in die Wüste. Nichts rührt sich, die anderen Gäste schlafen noch in ihren Hütten, nur ich bin hier schon so früh unterwegs und erklimme erst einmal die Anhöhe vor meiner Hütte. Da es keinen richtigen Weg gibt, laufe ich einfach querfeldein. Auf einen leichten Anstieg folgen steilere Abschnitte und ich muss auf große Steine aufpassen, die hier herumliegen. Langsam, aber sicher finde ich den Weg nach oben. Je höher, desto phantastischer bieten sich Ausblicke auf die umliegende Landschaft. Die Ranch schlummert jetzt weit unter mir im Schatten der Anhöhe, denn bis dorthin ist die im Osten aufgehende Sonne noch nicht vorgedrungen. Aber die Berge vor Dimona erstrahlen bereits im Morgenlicht. Nach Süden hin weitet sich die Steinwüste und verliert sich dort im Morgendunst. Weit im Süden und Osten erheben sich hohe Berge am Horizont. Still ist es hier oben, hell und wunderschön. Die Sonne beginnt mein Gesicht zu wärmen und ich kann in alle Himmelsrichtungen blicken. Mein Schatten zeichnet sich vor mir auf dem steinigen Boden ab, auch ich bemerke, dass die Wüste lebt. Gerade jetzt, nach dem Regen, ist bei näherem Hinsehen überall Leben zu entdecken. Gelbe, rote und blaue Blumen blühen zwischen den Steinen, es gibt grüne Sträucher und Büsche. An einigen Stellen haben sich sogar Wasserlachen im Fels gebildet. Ich entdecke kleine, weiße Schnecken, in deren Hüllen teils noch Leben steckt, während viele jedoch aufgebrochen und leer sind. Später erfahre ich, dass es in der Wüste kleine Mäuse gibt, die diese Schneckenhäuser aufbrechen und den Inhalt fressen. Ich finde ein leeres Schneckenhaus, dessen Zustand noch sehr gut ist, hebe es auf und stecke es in meine Tasche. Dieses kleine Stück Natur will ich als Andenken an diesen herrlichen Morgen im Negev mit nach Hause nehmen.

Was ich gestern Abend verloren habe, wird mir heute Morgen gänzlich zurückgegeben. Die Bilder von gestern Nachmittag kann ich jetzt bei herrlichem Sonnenschein erneut machen. Somit ist mir doch kein großer Verlust entstanden. Ich kann kaum aufhören, die Landschaft in alle Himmelsrichtungen zu fotografieren. Auf diesem Berg in der Wüste ist es friedlich, warm und still. Ich fühle mich frei, stark und unschlagbar.

Das Frühstück um 8.30 Uhr sollte auf keinen Fall verpasst werden. Ich verspüre mit einem Mal großen Hunger und freue mich schon sehr darauf. Wenn das Frühstück hier genauso gut und reichlich wie das Abendessen ausfällt, dann werde ich bestimmt satt. Um Viertel nach acht Uhr muss ich daher die Bergwanderung beenden, mich auf den Rückweg zum Camp machen, und während des Abstiegs besonders auf die Steine aufpassen, um nicht abzuknicken oder auszurutschen. Eine Verletzung sollte ich jetzt nicht unbedingt riskieren. Und wieder einmal bewahrheitet sich, dass es leichter ist, auf einen Berg zu steigen, als diesen dann wieder herunterzukommen. Abstiege brauchen Zeit und die nehme ich mir jetzt.

(c) JohannesReichert für israel-trail.com

Fast pünktlich erreiche ich die Kantinenhütte, in der sich einige der anderen Gäste bereits eingefunden haben. Die beiden Russinnen von gestern Abend sind auch schon da. Das Frühstück ist wunderbar, wie kann es hier auch anders sein! Käse, Butter, Marmelade, Melonenstücke, getrocknete Feigen, Eier, Brot, Tee und Zitronenwasser warten nur darauf, in unseren Mägen zu verschwinden. Das Einzige, was einem Deutschen hier wirklich fehlt, ist Schwarzbrot. Das gibt es leider nicht.

Heute drängt nichts, denn ich kann den ganzen Tag hier auf der Farm und der umliegenden Landschaft verbringen. Eigentlich wollte ich heute ohne Gepäck nach Sde Boker radeln, um dort das Grab von Ben Gurion, dem Gründer des Staates Israel, zu besuchen. Aber das Wetter soll heute leider sehr schlecht werden, für den Nachmittag ist Regen angesagt, hin und zurück wären es rund 100 Kilometer und alleine auf einer Nebenstraße durch die Wüste zu radeln ist vielleicht doch nicht ratsam. Also werde ich heute zu Fuß die nähere Umgebung erkunden.

Gegen 10 Uhr hat sich der Himmel eingetrübt, es weht ein kalter Wind. In aller Ruhe schreibe ich nach dem Frühstück erst einmal Tagebuch. Ich will vor allem wieder zur Ruhe kommen. Es braucht immer eine Weile, bis man die Hektik des Berufsalltags hinter sich lassen und abschalten kann. Anschließend laufe ich zum Gehege der Reitkamele und sehe mir diese Wüstenschiffe aus der Nähe an. So viele Dromedare auf einem Haufen habe ich noch nie live gesehen. Dabei komme ich mit Dolores ins Gespräch. Sie hat israelische und argentinische Wurzeln und kümmert sich hier auf der Ranch um die Tiere. Sie liebt ihren Job. Vorher hat sie im Norden Israels auf einer Farm Pferde versorgt. Ihr Vater lebt jetzt in Buenos Aires und war vorher ein großer Radsportler in Israel. Eine Zeitlang lebte sie in der Schweiz. Dort hatte sie leider ein negatives Erlebnis, wurde schwer verletzt, musste ins Krankenhaus und nahm sich vor, den Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu laufen, sollte sie wieder gesund werden. Und sie wurde wieder gesund und lief diesen alten Pilgerweg in 3 Monaten von den Pyrenäen bis nach Galicien. Da haben wir also eine Gemeinsamkeit, denn auch ich war vor ein paar Jahren mit dem Rad nach Santiago unterwegs. Da ich einige Exemplare der englischen Ausgabe meines Santiagobuches dabei habe, schenke ich ihr eines. Santiagopilger sind eben wirklich eine große Familie, und wir beide gehören dazu. Sogar in den Weiten der Wüste Negev kann der Jakobsweg ein Thema sein.

Über die Mittagszeit halte ich bei bedecktem Himmel eine Siesta und mache mich dann am Nachmittag auf eine weitere Erkundungstour. Nach den umliegenden Bergen will ich nun das Wadi erkunden, das sich von der Ranch hinunter in die Wüste zieht. Noch ist es trocken, einige blaue Flecken heitern sogar den Himmel wieder auf, und so wandere ich einfach mal los. Auf einem Pfad zwischen Steinen und Gebüsch lässt es sich gut laufen. Im Sand kann man noch sehr gut erkennen, dass hier während des Regens der letzten Tage viel Wasser geflossen sein muss. Das macht Wadis so gefährlich, da Wanderer bei Regen plötzlich von reißenden Wassermassen überrascht werden können. Ich werde also aufpassen müssen, sollte erneut Regen einsetzen. Je tiefer ich ins Wadi eindringe, umso höher ragen die Felswände um mich herum nach oben. Beim näheren Hinschauen zeigt sich auch wieder viel Leben, bunte Blumen, blühende Sträucher und kleine weiße Schnecken. Auf Schlangen und Skorpione muss ich jedoch nicht unbedingt treffen, die soll es hier aber auch geben. An mehreren Stellen haben sich Wasserlachen im Fels gebildet. Dann trete ich aus dem Wadi hinaus in eine weite leere Steinwüstenlandschaft. In so einer riesigen Leere bin ich vorher noch nie gewandert! Kein Haus, kein Mensch, nur Leere, Weite und Stille! Hier kann man nachdenken und zu sich finden, wenn man das will. Jeder sollte irgendwann einmal eine Zeitlang in die Wüste gehen. In dieser Erkenntnis liegt viel Wahres. Ich laufe jetzt einfach mal hinein, in diese leere Weite.

Leider schieben sich von Südwesten erneut pechschwarze Wolken über die Berge. Gegen das helle Licht der Sonne wirken sie noch viel bedrohlicher. Ich sollte daher nicht allzu weit in die Leere laufen, sondern vielleicht doch lieber den Rückweg antreten, solange das durch das Wadi noch möglich ist, will heißen, bevor der Regen einsetzt. Also kehre ich um und wandere zum Camp zurück. Dies war dann auch die richtige Entscheidung, denn kaum bin ich am oberen Ende des Wadis angekommen, hat sich der gesamte Himmel extrem verdunkelt und Regen wird sicher nicht lange auf sich warten lassen. Der Entschluss, heute doch nicht nach Sde Boker gefahren zu sein, war angesichts des schlechten Wetters sicher richtig gewesen. Ich bin noch nicht lange in meiner Hütte, da fallen draußen auch schon die ersten Regentropfen. Ich lege mich aufs Bett, ziehe die Decke über mich und verdöse die Regenzeit.

Um 18 Uhr erwartet mich dann wieder ein reichliches Abendessen. Die beiden Russinnen sind nicht mehr da, dafür aber zwei Polinnen. Sie sind erst heute angekommen. Wir unterhalten uns und tauschen Erfahrungen aus. Auch sie sind mit einem Mietwagen unterwegs, mit einem Fahrrad reist außer mir hier keiner. Gegen 19 Uhr ist es bereits dunkel und um viertel vor Acht schlüpfe ich todmüde, aber glücklich und zufrieden in meinen Schlafsack. Die Kamera mit den heutigen Bildern rühre ich nicht mehr an. Ein derart dummer Fehler wie gestern soll mir nicht noch einmal passieren. Draußen prasselt jetzt wieder heftiger Regen auf die Dächer der Hütten, doch hier im Schlafsack ist es wohlig warm.

Gedanken des Tages:

Jeder sollte irgendwann einmal eine Zeitlang alleine in die Wüste gehen

Diese Leere, Weite und Stille öffnet den Blick fürs Wesentliche

Wir sind doch alle nur winzige Tupfer im Universum

Die Wüste lebt

Ruhetag

Negev Camel Ranch, Dimona, 65 USD mit Abendessen = 50 Euro (Kurs: 1,30 USD /1 Euro)

 

Dienstag, 18. März 2014:

Mit dem Rad durch Israel: Metzoke Dragot – Jerusalem

Gegen Viertel nach fünf Uhr bin ich bereits hellwach. Heute muss ich zeitig aufbrechen, denn für den 30 Kilometer langen Anstieg über eintausend Höhenmeter von Jericho nach Jerusalem sind mindestens 6 Stunden einzuplanen. Um am Abend nicht in die Dunkelheit zu geraten, möchte ich gegen 8 Uhr den Anstieg nahe Jericho erreicht haben. Ein Frühstück wäre im Preis der Übernachtung mit inbegriffen gewesen, wird aber erst ab 8 Uhr serviert. Das ist mir heute viel zu spät. Also lasse ich das Frühstück sausen, esse etwas von meinen Vorräten aus dem Rucksack, fülle meine vier Wasserflaschen mit Trinkwasser aus dem Hahn neben der Kantine und verlasse fast pünktlich kurz nach 6 Uhr das Camp durch das große Tor. Das ist zum Glück nicht verschlossen und lässt sich aufschieben. Als ich im Sattel sitze, steigt die Sonne gerade aus den Bergen Jordaniens in einen dunstigen Morgenhimmel. Still ist es um mich herum, zu dieser frühen Stunde bewegt sich noch nicht viel.

Ich darf das Rad an den steilen Abschnitten nicht zu schnell werden lassen und muss auf meine Bremsen achten. Die Bremsbacken sollten mir jetzt nicht unbedingt um die Ohren fliegen. Wieder unten angekommen, biege ich am Checkpoint nach links auf die Straße Nr. 90 in Richtung Norden ab. Hoch oben auf dem Berg thront der Militärposten; daneben sind einige der Zelthütten des Camps auszumachen. Kaum zu glauben, dass ich gerade eben noch so weit oben gewesen bin. Jetzt starte ich durch und rolle auf dem Asphalt an steil abfallenden Berghängen vorbei, die mich zu meiner Linken begleiten. Das Tote Meer reicht hier leider nicht mehr bis an die Straße heran. Laut Karte sollte das Wasser bereits neben der Fahrbahn beginnen, was jedoch wegen des Rückgangs um rund einen Meter pro Jahr nicht mehr der Fall ist. Ich radle unterhalb von Qumran vorbei, einer wichtigen Ausgrabungsstätte. Sie liegt etwa 100 m über dem Toten Meer auf einem erhöhten Plateau. Bekannt ist Qumran vor allem wegen der sehr alten Schriftrollen, darunter auch Bibelhandschriften, die hier gefunden wurden. Die ältesten entstanden etwa 250 v.Chr.. Das Klima am Toten Meer war optimal, um die Schriften über viele Jahrhunderte zu erhalten. Durch sie konnte auch nachgewiesen werden, dass die biblischen Bücher trotz des früheren fortwährenden Abschreibens sehr präzise übermittelt wurden und dass sich die Texte über die lange Zeit kaum verändert haben. Einige der in Qumran gefundenen Schriften werden heute im Schrein des Buches im Israel-Museum in Jerusalem ausgestellt oder sind im Archäologischen Museum in Amman zu finden.

Für die 38 Kilometer bis zum Anstieg bei Jericho brauche ich doch länger als geplant und erreiche diese Stelle erst gegen 9 Uhr. Aber das ist nicht schlimm, denn bis Einbruch der Dunkelheit um 18 Uhr sind es noch neun Stunden und das sollte auf jeden Fall reichen, Jerusalem zu erreichen. Nahe Jericho säumen Verkaufsstände die Straße. Jericho liegt in den palästinensischen Autonomiegebieten und ist die tiefstgelegene Stadt der Welt (250 Meter unter dem Meeresspiegel). Die heutige Einwohnerzahl beträgt rund 25.000. Jericho nennt sich zwar die „älteste Stadt der Welt“, doch erste Stadtmauern sind erst etwa 2000 Jahre nach der ersten Besiedlung belegt. 1967 wurde Jericho von den Israelis erobert und 1994 als erste Stadt im Rahmen der Verträge von Oslo an die Palästinensische Autonomiebehörde übergeben. Auch 2005 nach dem Abkommen von Scharm El-Scheich, das offiziell die Zweite Intifada beendete, wurde Jericho als erste Stadt wieder palästinensischer Kontrolle übergeben. Die israelische Armee ist aber weiterhin an der strategisch wichtigen Straßenkreuzung vor der Stadt mit einem Checkpoint stationiert. Ich treffe auf eine Tankstelle. Dort kaufe ich zwei große Flaschen Mineralwasser, denn wer weiß, wie viele Möglichkeiten sich dafür bis Jerusalem noch bieten werden. Diese Entscheidung erweist sich als absolut richtig, denn bis hinauf in die Heilige Stadt wird es heute nur noch eine Tankstelle geben. Mit ausreichend Wasser an Bord und hochmotiviert beginne ich nun den langen Weg hinauf in die Berge. Jerusalem liegt wirklich hoch oben, das merkt man erst so richtig, wenn man sich einmal zu Fuß aufmacht, diese Stadt zu erreichen.

Das Asphaltband der vierspurigen Schnellstraße Nr. 1 zieht sich jetzt vor mir durch eine hellbraune Wüstenlandschaft stetig nach oben. Ein breiter Seitenstreifen bietet ausreichend Sicherheit. Ich werde mindestens sechs Stunden brauchen, um Rad und Gepäck nach oben zu bringen. Diese Zeit muss ich mir heute nehmen. In der Einöde denke ich mich dann einfach weg, in den letzten Urlaub, nach Hause, oder an einen Ort aus der Vergangenheit. Tut man das nicht und blickt in die unendliche Weite, die noch vor einem liegt, könnte man eventuell die Lust am Weiterlaufen verlieren. Also blicke ich auf den Boden und versinke in Gedanken. So laufe ich Schritt für Schritt dem Ziel entgegen, das zu diesem Zeitpunkt noch weit entfernt, hoch oben in den Bergen liegt. Immerhin muss ich von minus 400 auf über plus 600 Meter nach oben, und diese 1.000 Höhenmeter wehren sich.

Viel Verkehr herrscht nicht, auf dem Seitenstreifen fühle ich mich sicher. Neben der Piste breitet sich jetzt nur Wüste aus, kein Haus und kein Strauch sind zu sehen. Zum Glück scheint das Wetter heute auf meiner Seite zu sein. Eine leichte Dunstwolke schützt mich vor der prallen Sonne, sodass diese nicht voll auf mich herunterbrennen kann. Wäre dies nicht der Fall, wüsste ich nicht, ob ich es schaffen würde. Auch weht ein leichter Wind, und das ist äußerst angenehm. Ein paar Mal gelingt der Sonne ein Durchbruch und es wird schnell heiß. Aber schon kurz darauf schiebt sich die Dunstwolke wieder zwischen uns, Gott sei Dank!

Nach gut zwei Stunden ist Mizpe Yeriho erreicht. Hier wird das Gelände tatsächlich flacher, ich kann aufsteigen und ein Stück fahren. Somit bin ich schneller unterwegs als zu Fuß. Das geht aber leider nur eine Weile gut, dann folgt ein neuer Anstieg, wieder muss ich absitzen und laufen. Eine Polizeistreife fährt an mir vorbei und fordert mich über Lautsprecher auf, aus Sicherheitsgründen nicht zu nahe an der Fahrbahn zu laufen. Ich befolge diesen gut gemeinten Rat. Um mich nicht zu demotivieren, schaue ich bewusst nicht auf die Karte. Würde ich jetzt feststellen, dass ich noch nicht allzu weit auf Jerusalem vorgerückt bin, wäre das für die Moral äußerst schlecht, dies muss auf jeden Fall vermieden werden. Die Motivation, bis heute Abend Jerusalem erreichen zu können, ist unbedingt aufrechtzuerhalten. So nehme ich einfach mal an, bereits weit gekommen zu sein, und kämpfe mich weiter bergan. Eine Tankstelle taucht jetzt zu meiner Rechten auf, daher sollte ich die Gelegenheit nutzen, Wasser nachzukaufen. Zwar unterbreche ich meinen Rhythmus nur ungern, aber Flüssigkeit ist notwendig und ich brauche Nachschub. Also biege ich nach rechts ab, fahre einen kurzen Abhang hinunter und erstehe zwei weitere Flaschen Mineralwasser. Diese Menge an Bord dürfte jetzt reichen. Freudig stelle ich fest, dass wieder ein flacher Abschnitt folgt, auf dem ich radeln kann. Das motiviert enorm, denn ich komme dem Ziel schneller näher. Nun weicht die Wüste langsam dem ersten spärlichen Grün neben der Fahrbahn. Hütten von Beduinen begleiten mich jetzt links und rechts der Straße. Vereinzelt sind auch Menschen und Tiere zu sehen. Dann wachsen wieder Bäume, das Ziel rückt näher. Ich erkenne Gebäude hoch oben auf den Bergrücken und Jerusalem ist nur noch 12 Kilometer entfernt. Die Wolken werden dichter und dunkler, Regen fällt aber keiner.

Ich erreiche die Stelle, an der sich die Straße teilt. Geradeaus geht es nach Ma’ale Adumim, einer israelischen Siedlung im Westjordanland. Sie wurde 1975 gegründet, liegt 7 Kilometer östlich von Jerusalem und ist mit rund 36.000 Einwohnern die drittgrößte israelische Siedlung im Westjordanland. Nach israelischer Auffassung gehört Ma’ale Adumim zu den Siedlungen, die, sollte es zu einer Friedenslösung mit den Palästinensern kommen, innerhalb von Israel verbleiben müssten. Nach rechts geht es in Richtung Jerusalem und Tel Aviv, dorthin muss ich fahren. Und wie das so ist, wenn man sich schon fast am Ziel wähnt und innerlich bereits jubelt, dann kommt es doch noch einmal ganz dick! Und genauso ist das auch jetzt. Mein Weg führt mich nach rechts und steigt dann gnadenlos an. Die schweren Satteltaschen ziehen mich nach hinten und ich muss letzte Kraftreserven aufbieten, um voranzukommen. In einem weiten Bogen geht es extrem in die Höhe. Ich bleibe oft stehen und atme tief durch, während Autos an mir vorbeibrausen. Hier herrscht viel mehr Verkehr als noch vor ein paar Stunden in der Wüste. Ganz langsam bewege ich mich weiter. Jetzt den Bogen nur nicht überspannen wie 2012 in Italien, jetzt auf keinen Fall wieder umkippen! Also laufe ich langsam, sehr langsam. Immerhin liege ich gut im Zeitplan und Jerusalem ist zum Greifen nahe. Nach dem steilen Stück biegt ein Feldweg nach rechts ab. Hier stehen einige Bäume, die mich förmlich zu einer Rast auffordern. Das lasse ich mir dann auch nicht zweimal sagen, biege ab, lege den Rucksack ins weiche Gras und meinen Kopf oben drauf. Jetzt tief durchatmen, sich lang ausstrecken, die Augen schließen, ausruhen und neue Kraft schöpfen.

Mit dem Mountainbike in Jerusalem

Mit dem Mountainbike in Jerusalem

Dann muss ich weiter, da hilft alles nichts. Vom Herumliegen komme ich heute sicher nicht mehr ans Ziel. Es folgt ein weiterer, jedoch moderater Anstieg bis zum Checkpoint, der auch auf der Karte an dieser Stelle eingezeichnet ist. Hier reise ich nun wieder ins israelische Kernland ein und werde zum ersten Mal intensiv befragt. Der Kontrollposten gleicht einer Grenzstation. Vier Spuren führen an Kabinen vorbei, in denen Wachpersonal sitzt. Ziemlich abgekämpft schiebe ich mein Rad in die mittlere Spur, die für Autos gesperrt ist. Mit einem Fahrrad kommt man aber durch. Ich passiere die Barriere, ein Soldat mit Schnellfeuerwaffe läuft direkt auf mich zu, spricht mich auf Hebräisch an, merkt aber schnell, dass ich das nicht verstehe, und wechselt ins Englische. Er möchte mein Visum sehen. „Das ist im Rucksack“, erwidere ich. „Den werde ich jetzt langsam ablegen, um Pass und Visum herauszunehmen“, füge ich noch hinzu. Ich möchte auf keinen Fall eine abrupte Bewegung riskieren, die eventuell falsch ausgelegt werden könnte, denn er ist bewaffnet und ich bin das nicht. Unter seinen wachsamen Augen schiebe ich das Rad an eine flache Stelle, klappe den Ständer aus, setze den Rucksack ganz langsam ab und hole den Pass hervor. Mittlerweile ist ein weiterer Soldat hinzugekommen und beide begutachten meine Papiere. Von wo aus ich heute morgen gestartet sei, wollen sie wissen. Ich gebe wahrheitsgemäß Antwort. Ob ich den ganzen Weg mit dem Fahrrad zurückgelegt hätte, fragen sie weiter. Als ich dies bestätige, sehen mich beide etwas entgeistert an. So einer kommt sicher nicht jeden Tag hier oben an. Ich beschreibe den bisherigen Tourenverlauf von Tel Aviv über Be’er Sheva und Massada bis hierher und präsentiere die Reservierungsbestätigung meiner Unterkunft für heute Abend in Jerusalem. Sie geben mir die Papiere zurück, nicken freundlich, wünschen einen guten Aufenthalt und lassen mich passieren.

Jetzt bin ich wieder im Kernland. Sieben Stunden statt der geplanten sechs habe ich dazu ab Jericho gebraucht. Ich radle auf einer ziemlich eben verlaufenden Straße an einer mit Stacheldraht besetzten Mauer entlang. Hier ist die israelische Seite, drüben leben die Palästinenser. Sollte ich mich schon am Ziel gewähnt haben, so werde ich nun enttäuscht. Die Straße zieht sich noch über ein paar Kilometer dahin. Zu meiner Rechten schlängelt sich die aus den Nachrichten bekannte Betonmauer vor einem palästinensischen Wohnviertel durch die Landschaft. Vielleicht ist es manchmal doch notwendig, Streithähne zu trennen, um Selbstmordattentate zu verhindern, wie es sie leider in der Vergangenheit gegeben hat.

Endlich ist die Straße Nr. 60 erreicht, auf die ich Richtung Altstadt abbiege. Langsam rollt mein Rad dem Zentrum entgegen. Jerusalem, die Hauptstadt Israels, liegt mit seinen rund 935.000 Einwohnern in den Judäischen Bergen zwischen dem Mittelmeer und dem Toten Meer. Der politische Status ist international umstritten und Bestandteil des Nahostkonflikts. Ostjerusalem, mit seinen bedeutenden religiösen Stätten der Juden, Christen und des Islam, wird von gemäßigteren Palästinensern als Hauptstadt eines zukünftigen palästinensischen Staates beansprucht, während radikalere Palästinenser die gesamte Stadt als Hauptstadt fordern. Das Jerusalemgesetz von 1980 erklärte die Stadt aber zur untrennbaren Hauptstadt Israels. Darin sieht die palästinensische Seite ein Haupthindernis auf dem Weg zum Frieden.

Laut Karte müsste ich auf der Straße Nr. 60 bis an die Stadtmauer gelangen. Die Jaffa-Straße, in der meine heutige Herberge liegt, ist von dort nicht weit entfernt. Ich bleibe also auf dieser Straße, wechsle, als der Verkehr immer dichter wird, ganz einfach auf den Bürgersteig und schiebe das Rad schneller an den Autoschlangen vorbei, als diese vorankommen. Etwas oberhalb des Damaskustores treffe ich auf die Stadtmauer und biege kurz nach dem Neuen Tor nach rechts in die Jaffa-Straße ab. Hier beginnt eine verkehrsberuhigte Zone, durch die nur die moderne Straßenbahn fährt. Die Jaffa-Straße ist eine bekannte Einkaufsstraße im Westen von Jerusalem. Sie wurde bereits 1861 asphaltiert, da sie Teil der wichtigen Verkehrsroute nach Jaffa war. Seit 2010 ist die Jaffa-Straße eine drei Kilometer lange Fußgängerzone. Sie reicht vom Tzahal Platz an der nordwestlichen Altstadtmauer bis zum zentralen Busbahnhof und verbindet die Altstadt im Osten mit den modernen Einkaufszentren im Westen. Seit 2011 fährt die Straßenbahn in der Mitte der Straße. Ich frage einige Passanten nach dem Weg, mir wird geholfen, und so stehe ich schon bald vor meinem Zuhause für die nächsten fünf Nächte. So lange will ich nämlich in Jerusalem bleiben, denn hier gibt es wirklich viel zu sehen. An der Rezeption werde ich eingebucht und beziehe ein Bett im Achtbettzimmer im ersten Stock. Überall liegen Rucksäcke und Kleidungsstücke herum, Ordnung scheint hier so gut wie keine zu herrschen. Da muss man höllisch aufpassen, keine Wertsachen abzulegen, und später nicht wiederzufinden. In einem Privatzimmer kann ich meine Sachen in aller Ruhe ausbreiten, um Notwendiges schnell zu finden. Hier, in einem solchen Durcheinander, geht das leider nicht.

Ich richte das Bett her, breite den Schlafsack aus, finde zum Glück in meinem Gepäck relativ schnell die Sachen, die ich jetzt brauche, und gehe erst einmal Duschen. Das Zimmer verfügt über ein WC mit Dusche. Das ist doch schon mal ein Vorteil. Danach ziehe ich mir frische Sachen an und starte zur ersten Erkundungstour. Draußen ist es bereits dunkel und ich steuere als erstes einen Imbiss an. Dort erstehe ich eine Falafel. Welche Zutaten ich zu den frittierten Kichererbsenbällchen gerne hätte, werde ich gefragt. Ich entscheide mich für Krautsalat, etwas Humus und Gurken. Das reicht, sonst quillt alles beim Reinbeißen nur links und rechts wieder heraus. Mit diesem Snack in der Hand schlendere ich die Fußgängerzone entlang, sehe mir die Auslagen der Geschäfte an, höre einem Straßenmusikanten zu und mache mir ein erstes Bild von der Umgebung, die während der nächsten Tage mein Zuhause sein wird.

Dann kehre ich in die Herberge zurück, spüre eine große Müdigkeit, aber auch Zufriedenheit, es aus eigener Kraft aus dem Jordangraben tief unter uns bis hier hinauf in die Berge geschafft zu haben, und schlüpfe in meinen Schlafsack. Unter mir im Hochbett wird ein junger Mann aus Indien schlafen, einen Franzosen und einen Schweizer habe ich bereits kennen gelernt, von zwei Österreichern habe ich gehört.

Gedanken des Tages:

Eine leichte Staubwolke war heute zum Glück auf meiner Seite

Bei wolkenlosem Himmel hätte ich diesen Anstieg vielleicht sogar nicht geschafft

Ich bin stolz auf meinen Erfolg und spüre eine große Zufriedenheit

Heute kam ich aus der Wüste in eine Großstadt – was für ein Unterschied!

Tagesleistung: 69 Kilometer

Jerusalem Hostel, Jerusalem, 80 Schekel = 17 Euro (Kurs: 4,73 Schekel/1 Euro)

Das Fahhrad in Jaffa

Abschlussgedanken

Ich glaube, das Besondere an Israel ist die Tatsache, dass dieses Land von vielen Feinden umringt ist und die Menschen fest zusammenhalten müssen. Diesen Zusammenhalt, diesen Willen, sich tagtäglich aufs Neue behaupten zu müssen, vermisst so mancher in sicheren Ländern. Der in Israel noch immer vorhandene Pioniergeist, etwas wirklich Großes schaffen zu können, steckt an. Ich habe ein modernes Land kennen gelernt, bin auf sehr guten Straßen gefahren, habe wunderschöne Landschaften durchquert und überall gastfreundliche und hilfsbereite Menschen getroffen. Gefährlich war es für mich unmittelbar nie, obwohl in diesem Land sicher immer etwas passieren kann. Wenn man aber zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort ist, hat man leider Pech, und das überall auf der Welt.

Insgesamt war ich fünf Wochen in Israel unterwegs und lenkte mein Fahrrad durch dichte Wälder im Norden, weite leere Wüsten im Süden, historische Orte und moderne Städte. Ich war dicht an den Grenzen zum Libanon, Jordanien und dem Gazastreifen, und traf jüdische und arabische Israelis. Palästinenser in ihren autonomen Gebieten traf ich nicht. Dorthin zu radeln erschien mir zu gefährlich. Dass es in diesem Land einen Konflikt gibt, weiß ich. Wie dieser aber zu lösen wäre, weiß auch ich nicht. Nur wenn beide Volksgruppen (vor allem die Radikalen auf beiden Seiten) in Frieden zusammenleben könnten, wäre dies möglich. Ob das aber jemals der Fall sein wird, ist zu bezweifeln. Zuviel Misstrauen und leider auch Hass hat sich bereits auf beiden Seiten angestaut. Ich wünsche diesem besonderen Land aber trotzdem von ganzem Herzen, dass es den Menschen dort gelingen möge, eine gerechte Lösung für ein friedliches Miteinander zu finden. Vielleicht geschieht in diesem sogenannten Heiligen Land eines Tages tatsächlich noch einmal ein Wunder.

Mit dem Rad durch Israel ist ein authentisches Reisetagebuch. Der Autor
startet in Haifa und radelt in zwei Etappen à zwei Wochen 1230 Kilometer
durch den Norden und Süden des Heiligen Landes. Pro Tag erfährt der Leser
die Erlebnisse, die gefahrenen Kilometer, den Ort und Preis der Übernachtung
sowie die Gedanken des Tages. Seit vielen Jahren geht Johannes Reichert für
zwei Wochen im Jahr alleine mit dem Fahrrad auf Tour. Nach einem Herzinfarkt
2007 halfen ihm diese Reisen bei der Überwindung der Krankheit.
Von Haifa aus radelt der Autor zum Rosh Hanikra an der libanesischen Grenze
und durch die waldreichen Berge im Norden Galiläas weiter zu den biblischen
Orten am See Genezareth. Über Nazareth, den Berg Tabor und das Karmelgebirge
geht die Reise dann nach Tel Aviv/Jaffa, dem Ziel der ersten Etappe
2013. Von dort wird die Tour 2014 über Aschkelon, Be‘er Sheva, Dimona,
Arad und Massada nach Jerusalem fortgesetzt. Vier Tage bleibt Johannes
Reichert in der Heiligen Stadt und besucht dort einige der vielen Sehenswürdigkeiten.
Danach radelt er durch die dichten Wälder der Jerusalemer
Berge nach Tel Aviv/Jaffa zurück.

Dieses Reisetagebuch will den Leser auf eine ganz besondere Radtour mitnehmen,
ihm aber auch die Herausforderungen aufzeigen, die Alleinreisende
zu meistern haben. Hilfsbereite Menschen, wunderbare Landschaften und
historische Orte wollen Lust machen, selbst aufzubrechen. Wer keinen detaillierten
Reiseführer erwartet, sich aber für die täglichen Erlebnisse einer Radtour
durch Israel interessiert, der sollte dieses Buch zur Hand nehmen. Ein
solches Abenteuer kann auch all denjenigen Mut machen, die wie der Autor
nach einer schweren Krankheit wieder körperliche Herausforderungen suchen.
Vieles ist noch immer machbar, man muss sich nur trauen.

 

  • Taschenbuch: 316 Seiten
  • Verlag: Wiesenburg; Auflage: 1 (1. November 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3956321944
  • ISBN-13: 978-3956321948
  • Größe und/oder Gewicht: 12,4 x 2 x 19,3 cm

 

Absolut lesenswert!

Wir vom israel-trail.com vergeben dafür fünf Sterne!

 

Kontakt zu Johannes Reichert:
Email: Reichert.Johannes@t-online.de

 

 

 

 

Interview mit Johannes Reichert

   
Christian Johannes, Deine Geschichte bewegt mich! Du schreibst ja nicht nur Bücher, sondern hälst auch Vorträge. Wo kann man Dich life erleben?
Johannes Ich halte meine Bildvorträge seit 2011 vor allem in Kliniken in Bad Kissingen nahe Schweinfurt. Volkshochschulen und Gemeindebibliotheken im Raum Schweinfurt bieten meine Vorträge ebenfalls an. Im Rahmen der jüdisch-israelischen Kulturtage in Thüringen war ich 2016 sogar bis hinauf nach Nordhausen am Harz auf Lesereise.
Christian Es geht ja nicht „nur“ ums Fahrradfahren. Welche Leserinnen und Leser sprichst Du mit Deinem Buch „Mit dem Rad durch Israel“ an?
Johannes Ich möchte vor allem sportlich begeisterte Menschen ansprechen, die wie ich Lust auf das Besondere haben. Bereits beim Einchecken in die EL-AL Maschine am Frankfurter Flughafen fragte mich eine israelische Sicherheitsbeamtin: „Warum gerade eine Radtour in Israel?“ Meine einfache Antwort lautete: „Warum denn keine Radtour in Israel!“
Christian Wer eine Reise macht, kann viel erzählen. Du hast aber auch gesundheitlich und als Mensch eine Reise hinter Dir. Bist Du heute glücklich?
Johannes Ja, gerade am Ende meiner Radreisen empfand ich immer ein ganz intensives Glücksgefühl und eine große Zufriedenheit. Das kann man nicht beschreiben, das muss man einfach selbst erlebt haben. Eine solch anspruchsvolle Reise zu planen ist aufregend. Sie dann aber auch noch punktgenau ohne Pannen und Krankheiten abzuschließen ist phantastisch. Ich möchte keinen Tag dieser Reisen in meinem Leben missen. Jeder dieser Tage wird mir später, wenn auch ich die gebrechliche Phase meines Lebens antreten muss, Kraft geben.
Christian Nicht jeder traut es sich, einfach einmal loszuziehen. Wie geht Deine Frau/ Familie damit um, wenn Du wieder einmal weg bist?
Johannes Sie sind das schon gewöhnt. Ich mache diese Radtouren seit 1999 und das sind nun schon ein paar Jahre. Sie wissen vor allem, dass ich vernünftig bin und den Bogen nicht überspanne. Bei einer Schwächephase breche ich die Tour sofort ab. Im Jahr 2000 habe ich das bereits einmal auf Grund von Konditionsproblemen praktizieren müssen. Daraus habe ich gelernt! Ich bereite mich jetzt intensiver vor. Auch nehme ich während dieser Touren immer einige Kilos ab. Und das ist gut für die Gesundheit.
Christian Israel ist für mich ein besonders schönes Land. Doch viele haben Vorurteile…
Johannes Viele haben Angst vor dem Nahostkonflikt. Kein Wunder, sieht man doch aus diesem Gebiet fast immer nur Bilder der Gewalt in den Nachrichten. Dem ist aber nicht so. Ich persönlich habe in meinen fünf Wochen auf dem Rad durch Israel so gut wie nichts von diesem Konflikt mitbekommen. Israelis und Araber waren freundlich und hilfsbereit. Nur in Jerusalem konnte auch ich die Spannungen zwischen den verfeindeten Gruppen deutlich spüren, die natürlich wie überall vor allem durch radikale Minderheiten bewusst geschürt werden. Leider!
Christian Wie sicher ist Israel? Und wie sicher ist es, dort eine Fahrradtour zu machen?
Johannes Ich finde, Israel ist ein sicheres Land. Zumindest habe ich das so empfunden. Die Kontrollen dienen in erster Linie der eigenen Sicherheit, dessen sollte man sich bewusst sein. Es gibt natürlich mehr Militär auf den Straßen als bei uns, aber in den Hauptstädten Europas verändert sich das auch mehr und mehr. Israel ist sicher nicht gefährlicher als aktuell Großstädte wie Paris und London. Absolute Sicherheit gibt es nicht. Man sollte auch in Israel nicht gerade an Brennpunkte gehen, das macht man ja an anderen Orten auch nicht.
Christian Kann auch der Normalbürger in Israel einfach mal so eine Fahrradtour machen? Zum Beispiel mit einem Leihrad?
Johannes Sicher kann man das. Eine Gruppe aus Würzburg hat mich erst kürzlich genau daraufhin angesprochen. Ich habe mich mit ihnen getroffen und wir haben über deren Vorhaben gesprochen, mit Leihrädern (E-Bikes) in Israel unterwegs zu sein. Über das Internet kann man gerade in Tel Aviv Läden finden, die Fahrräder verleihen. Das eigene Rad ist mir persönlich aber lieber. Da kennt man die Qualität der Technik, und die sollte gerade bei Fahrten durch die Wüste stimmen.
Christian Was treibt Dich an, Deine Geschichte(n) zu erzählen?
Johannes Ich denke, wenn man etwas Besonderes unternimmt, dann könnte dies sicher auch andere sportlich begeisterte Menschen interessieren, die vielleicht ebenfalls solche Touren planen. Bei der Vorbereitung meiner Routen suchte ich nach Büchern und Berichten, die Probleme und vor allem deren Lösung in den Ländern beschrieben, durch die ich meine Tour plante. Ich wollte nicht so viel über Bauwerke und geschichtliche Ereignisse erfahren, sondern mehr von realen Erlebnissen, Herausforderungen und Lösungen. Deshalb schreibe ich meine Reisetagebücher genau nach diesem Muster und hoffe damit anderen, die wie ich nach solchen Informationen suchen, helfen zu können. Desweiteren versuche ich auch die Gefühle zu beschreiben, die ich auf diesen Touren empfinde und von denen ich im Alltag noch lange zehren kann.
Christian Deine Bücher? Wie viele hast Du schon geschrieben?
Johannes Aktuell gibt es vier Bücher von mir. Das fünfte ist gerade in der Mache und wird, wenn alles gut geht, am Ende des nächsten Jahres erscheinen. Das erste Buch beschreibt meine Radreise über 3369 Kilometer von Mainfranken nach Santiago de Compostela. Das zweite berichtet über die 1465 Kilometer über die Alpen nach Rom und das dritte behandelt 1230 Kilometer durch Israel. Das vierte und neueste Buch „Via Regia – Mit dem Rad nach Warschau“ beschreibt meine Tour auf der Via Regia, dem Jakobsweg aus dem Osten, von Schweinfurt über Breslau nach Warschau. Ich bewältigte die 1759 Kilometer bis Warschau genau umgekehrt, von Westen nach Osten. Mein aktuelles Radabenteuer soll mich nun zum Olavsweg nach Norwegen führen, auch ein alter Pilgerweg im hohen Norden. In diesem Jahr startete ich im Mai in Schweinfurt und radelte 1371 Kilometer bis hinauf nach Göteborg in Schweden. Im nächsten Jahr will ich dann von dort aus weiter über Oslo bis nach Trondheim zum Nidarosdom, dem Ziel des Olavswegs. Wenn alles gut geht und ich auch die zweite Tour des aktuellen Projekts erfolgreich beenden kann, wird Ende 2018 das Buch „Der Olavsweg – Mit dem Rad nach Trondheim“ erscheinen.
Christian Zurück zu Israel. Aktuell ist der Israel National Bicycles Trail ein Thema…
Johannes Ich werde auf jeden Fall wieder (und zwar sicher nicht nur einmal) mit meinem Rad im Gepäck nach Israel zurückkehren, um dort erneut Rad zu fahren. Ich plane dann mein Rennrad mitzunehmen, mir ein schönes Zimmer (am besten mit Familienanschluss) zu nehmen und dann von dort aus Tagestouren zu unternehmen. Dabei liebäugle ich mit Haifa, wegen der Nähe zum Karmel-Gebirge. Am Abend könnte man sich dort nach sportlicher Betätigung an den Strand in die Abendsonne setzen, zusehen, wie der Himmelskörper im Meer versinkt, und dabei genüsslich ein Glas israelischen Rotwein genießen – wunderbar!
Christian Israel und seine Menschen sind…
Johannes etwas ganz Besonderes. Das kann man aber nur wirklich erleben, wenn man ohne Vorurteile und Ängste in dieses Land reist und offen und interessiert unterwegs ist – und sich vor allem Zeit lässt. Nicht hetzen – genießen!

 

Danke lieber Johannes für dieses wunderschöne Interview.

 

Über Johannes Reichert:

Kontakt: reichert.johannes@t-online.de

 

Vorträge:

Aktuelle Vortragstermine auf Anfrage direkt beim Autor unter: reichert.johannes@t-online.de

 

Bücher von Johannes Reichert

 

Johannes Reichert – Mit dem Rad durch Israel – Teil I und Teil II

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Jacob Saar, engl., 3rd Edition, keine Widmung 39,00 € oder 34,99 € (leicht geknickt) Bewertung f�r das BuchDetails ->
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