Interview zum Israeltag 2017 in München

Klezemer Msik am Israeltag

Am Israeltag München 2017 wurde ausgelassen gesungen und getanzt

Am 11. MAI 2017 war es wieder soweit: Am Odeonsplatz wurde gemeinsam der 69. Geburtstag des Staates Israel gefeiert. Neben vielen bunten Ständen, Tanz und Musik boten hochkarätige Redner wie Präsidentin Dr. Charlotte Knobloch und Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle einen emotional bewegenden Einblick in das Jüdische Leben in Deutschland und die deutsch-israelischen Beziehungen.

Warum es sich lohnt, sich für Israel zu interessieren und mit welchen Problemen man dabei konfrontiert wird, beantworten mir die verantwortlichen Veranstalter des Israeltags 2017 in München Andreas Wittenzellner und Anat Rajber (ILI – I Like Israel e.V.).

Der Israeltag – eine Veranstaltung, die verbindet

Christian Seebauer Der Israeltag in München präsentiert ein buntes, multikulturelles Zusammenleben und setzt die Vergangenheit behutsam in eine Beziehung zum Hier und Jetzt. Für wen ist der Israeltag gedacht und was soll hier vermittelt werden?
Anat Rajber In erster Linie ist der Israeltag an die breite Öffentlichkeit gerichtet. Wir versuchen, Israel zu präsentieren, wie wir es kennen. Demokratisch, vielfältig, modern und sehenswert.

Leider stellen wir fest, dass Israel oftmals sehr kritisch in den Medien präsentiert wird und wir versuchen in Kleinarbeit das Bild Israels richtig zu stellen. Im Laufe der Jahre stellten wir fest, dass der Israeltag den Stolz auf das junge, innovative Land bei vielen Gäste weckt. Ob jüdische Mitglieder der Gemeinde, Israelis oder Israel-Interssierte: verschiedenste Gruppen kommen an diesem Tag im Jahr zusammen, um gemeinsam den jungen jüdischen Staat zu feiern.

Andreas Wittenzellner Kurz und knapp: Für alle und jeden. Das Angebot richtet sich nicht nur an Israelfreunde oder gar „Israelfans“, die es auch geben soll. Das Angebot richtet sich an alle, die sich ein Bild über die Vielfalt im jüdischen Staat machen wollen. An diejenigen, die vielleicht schon mehrere Fahrten ins Heilige Land hinter sich haben oder auch an die, die sich einfach noch mehr informieren, bevor es vielleicht zur eigenen Israelreise losgeht.

Und natürlich bietet sich die Chance, Informationen aus erster Hand über Land und Leute zu erhalten, mit Israelkennern, mit Israelis zu reden und auch den „Brückenschlag“ zu spüren, der Israel auch mit Juden in Deutschland verbindet.

Und weil wir gerade beim Thema „Brücken“ oder „Brückenbauen“ sind: Der Israeltag ist keine Veranstaltung die trennen will, sondern verbindet.

Rede von Andreas Wittenzellner zu Israel

Andreas Wittenzellner bei seiner mitreissenden Rede am Odeonsplatz (Israeltag 2017 München)

Sicherheit ist ein Thema, wann immer es um Israel geht

Christian Seebauer Trotzdem muss der Israeltag von einem Großaufgebot an Polizei und Sicherheitskräften beschützt werden. Warum?
Anat Rajber Es ist leider so, dass israelische und jüdische Veranstaltungen von der rechten Szene bedroht sind. Dies haben wir leider auch schon beim Israeltag einige Jahre zuvor selbst erlebt. Hinzu kommen Gefahren aus der salafistischen Szene, die bei jüdisch-geprägten Veranstaltungen nicht zu unterschätzen sind.

Die Polizei in München hat dabei jedoch immer stets vorbildliche Arbeit geleistet und in der Vergangenheit stets für die nötige Sicherheit gesorgt.

Andreas Wittenzellner Das ist leider traurige Realität – und das nicht nur in der Theorie, sondern leider bitter erfahrene Realität. Wir haben auch schon einen Israeltag an gleicher Stelle durchgeführt, in der Demonstranten den Platz überfallartig gestürmt haben und ihre Hetzparolen über den Odeonsplatz gebrüllt haben.
Und obwohl die Sicherheitskräfte umgehend aktiv waren und dem brauen Spuk ein Ende setzten, sind gerade bei älteren Besuchern vorwiegend jüdischen Glaubens schlimme Erinnerungen wach geworden.Aber auch sonst ist es ja inzwischen leider trauriger Alltag, dass die Sicherheitskräfte verstärkt gefragt sind, wenn es um die Sicherung von Veranstaltungen geht, die einen pro-israelischen Grundton haben.Leider sind halt auch so manche Andersdenkende nicht mehr bereit, unterschiedliche Überzeugungen auf einer sachlichen Ebene zu diskutieren – und dazu gibt es gerade auf dem Israeltag im Dialog mit den verschiedensten Anbietern und Organisationen jede Möglichkeit dazu.Darüber hinaus, um auf ihre Frage zurückzukommen, kann man aber nur sagen, dass die Polizei und Sicherheitskräfte jedes Jahr und gerade auch heuer – wie sagt man gerne salopp – „einen guten Job gemacht haben. Stille, erkennbare und doch sensibel gezeigte Präsenz. Dafür gebührt ihnen von Veranstalterseite unser aufrichtiger Dank.
Polizeischutz am Israeltag

Alles friedlich: Die Veranstalter danken ausdrücklich allen Sicherheitskräften des Israeltags 2017 in München

Der Israeltag ist ein Fest für alle!

Christian Seebauer Der Israeltag war kein rein Jüdisches Fest, sondern offen für alle. Viele Christen interessierten sich für das Heilige Land und die Wurzeln ihres Glaubens. Und auch viele, die an gar nichts glauben waren hier. Manche kamen mit vielen Fragen. Was können sie vom Israeltag mit nach Hause nehmen?
Anat Rajber Wie Sie richtig sagen, ist der Israeltag kein jüdisches Fest. Wir möchten das Land Israel präsentieren. Natürlich gehört die jüdische Religion dabei zwangsläufig dazu. Aber wir möchten keine Gäste, seien es Christen, Muslime oder Menschen aus anderen Glaubensrichtungen zum Judentum bekehren. Dennoch freuen wir uns natürlich, wenn wir den Menschen ein anderes Bild Israels zeigen können, dass in den Medien größtenteils im Zusammenhang mit negativer Berichterstattung und Kriegsbildern steht. Wir hoffen, dass so viele Gäste wie möglich nach dem Israeltag Lust auf mehr bekommen und im besten Fall direkt eine Reise nach Israel buchen. So könnte man sich hautnah ein eigenes Bild verschaffen – was erfahrungsgemäß einige falsche Vorurteile schnell beseitigt.
Andreas Wittenzellner Nun ja, eigentlich bin ich, sind wir da die falsche Adresse. Hier müsste man die vielen Besucher fragen, was sie letztlich mitgenommen haben. Sicherlich zum einen ein gutes Gefühl, dass der Israeltag – aber dieser ist ja letztlich in weiten Teilen ein Spiegel von Land und Leute in Israel – in erster Linie auch eine Veranstaltung ist, die Lust auf mehr machen will. Auf mehr Information, auf ein sich mehr Beschäftigen mit diesem Brennpunkt der Welt, in der wohl die größten Chancen bestehen zu zeigen, wie Menschen unterschiedlicher Herkunft, Glaubens und Nationalität friedlich zusammenleben können.

Und gleichzeitig ist natürlich auch zu spüren, welch großer Berg an ungelösten Problemen in der Region bestehen.

Wir als Veranstalter wollen wie gesagt einfach auf „Lust nach mehr“ machen. Dazu gehört eben auch, sich ein Israelbild zu schaffen, das über die 30-Sekunden-Tagesschau-Spots hinausgehen, denn die Ursache und Wirkung liegen oft viel tiefer, als sie hier in hoher Dosis zusammengepresst präsentiert werden.

Sich selbst ein Bild von Israel machen – das ist eines der vielen Ziele, die wir mit dem Israeltag verbinden. Und wenn das Ganze dann neben dem „mehr von Israel“ in eine Reise ins Heilige Land mündet – umso besser. Da springt dann auch ein „Meer in Israel“ heraus – egal ob das Tote Meer oder das Mittelmeer. Israel präsentiert eine fast grenzenlose Vielfalt.

Rede von Christian Seebauer am Israeltag in München 2017

Christian Seebauer spricht mit Katja Tsafrir über Israel, Baumpflanzen und den JNF-KKL/ Israeltag 2017 München

 

Christian Seebauer In meinem Buch „Israel Trail mit Herz“ erzähle ich die wunderbaren Geschichten von vielen Menschen, die mir auf meiner harten Wanderung als Bettler durch Israel leidenschaftlich geholfen haben. Darunter auch arabische Israelis, Muslime, Beduinen. Alle haben mir geholfen. Trotzdem schlägt mir heute blinder Hass in den Sozialen Medien entgegen, der auch ganz konkret meine Familie und namentlich meine Kinder bedroht. Darf man heute nichts Positives mehr über Israel erzählen?
Anat Rajber Ich hoffe Sie können diesem Druck standhalten. Es ist sehr traurig wenn man diese Erfahrungen machen muss. Dafür gibt es keine Berechtigung. Wir versuchen mit unserem Israeltag dem entgegen zu wirken, aber es ist noch viel zu tun und den Hass können nur die Menschen umleiten, die ihn schüren. Wir glauben an Schalom und hoffen dass wir die Menschen erreichen. Es gibt ein paar Fanatiker, deren Ideologie eine Meinungsänderung wohl nie zulassen wird. Diese werden wir leider nicht bekehren können. Egal wie wir das versuchen. Die müssen wir in Ihrer Wüste lassen.
Andreas Wittenzellner Solche Aussagen, solche Erfahrungen erfüllen mich persönlich mit Trauer und zeigen auch, wie weit oft der Antisemitismus, zeitweise gepaart mit Antiisraelismus fortgeschritten ist. Und das in einem Land, dessen Geschichte auf traurige Weise zeigt, wohin blinder Hass auf andere, anders Denkende, anders Glaubende, und so weiter führen kann. Ich muss das jetzt nicht näher erläutern.

Gerade Deine Geschichte ist eine Geschichte eben mit Herz, mit wohltuender Emotion, das die Stereotypen in den Köpfen durchbrechen soll und kann.

Traurig, dass du diese Erfahrungen machen musst – und dass fanatischer Hass gerade in den Sozialen Medien auch keine Grenzen kennt, wenn es um die schwächsten in unserer Gesellschaft geht.

Israelfahne

Besucherinnen des Israeltags 2017 München mit guter Laune und einer Israelflagge

Israelfahne und ein Kamel (Münchens Israeltag 2017 am Odeonsplatz)

Von der Falafel bis zum Kamel war viel geboten am Israeltag

Christian Seebauer Wenn man Vorurteilen begegnen möchte und sich um Freundschaft bemüht, wo muss man anfangen… bei den Jungen oder bei den Alten?
Anat Rajber Erziehung ist immer das Wichtigste und deswegen ist es wichtig, schon im Kindergarten mit Erziehung zur Toleranz anzufangen. Alte Leute sind leider in Ihrem Glauben und Empfindungen ziemlich gefestigt, aber möglich ist das schon. Man braucht Geduld und Ausdauer. Wir freuen uns, am Israeltag Möglichkeiten der Begegnung und Gesprächs anzubieten. Es soll nicht an Platz für neue Freundschaften fehlen…
Andreas Wittenzellner Das ist eine gute Frage, auf die ich ehrlich gesagt keine wirkliche Antwort weiß. Persönlich glaube ich, dass wir in unserer Gesellschaft gerade so viele „Baustellen“ haben, die die Frage nach einer „Altersoffensive“ vielleicht in den Hintergrund treten lassen.

Was meine ich konkret? Persönlich glaube ich natürlich, dass es wichtig ist, Kindern ein gutes, gesundes und ehrliches Bild von Israel zu vermitteln. Kein geschöntes, aber eben auch kein verzerrtes Bild, wie es leider oft genug in den Medien geschieht. Aber auch über das Thema „Israel“ oder über die Frage des Alters hinaus denke ich, dass es wichtig ist, gegen Vorurteile zu kämpfen.

Dass Vorurteile sich oft rasend schnell verbreiten, zeigt sich auch in der aktuellen Flüchtlingssituation und hier wiederum in dem, was oft in Sozialen Netzwerken gezielt gestreut wird.

Hier gilt es einfach sich selbst gut zu informieren, nicht jedem Vorurteil blind hinterher zu laufen und sich seine eigene Meinung bilden. Und da ist es einfach erfahrungsgemäß das Beste, mit Menschen zu reden, miteinander ins Gespräch zu kommen, zuzuhören. Und auch da ist der Israeltag eine gute Gelegenheit dazu.

Christian Seebauer Welche Geschichte muss Eurer Meinung nach man erzählen, oder an was muss man glauben, um die Welt ein wenig besser zu machen?
Anat Rajber Jeder muss seine eigene Geschichte erzählen. Jeder von uns sieht die Welt durch seine Brille, dennoch es gibt auf der Welt genügend Platz für alle. Gott hat uns unterschiedlich erschaffen und er muss sich etwas dabei gedacht haben. Man sollte ehrlich zu sich selbst sein und ehrlich zu den anderen. Gegenseitig respektieren, dann klappt das schon.
Andreas Wittenzellner Nun ich bin von meiner Überzeugung her Christ. Und dazu stehe ich auch. Deshalb ist die Geschichte von „meinem Glaubensgründer“ auch eine, die ich gerne höre und wenn ich gefragt werde auch erzähle. Dabei verkenne ich nicht, dass das Christentum – gerade was sein Verhältnis zum Judentum anbelangt – Jahrhunderte schwärzester Kapitel hinter sich (hoffentlich!) hat.

Mir hat die Beschäftigung mit dem jüdischen Glauben geholfen, meinen eigenen Glauben besser zu verstehen.

Ich erinnere mich, wie ich mit einem Freund aus Israel darüber gesprochen habe, oft lange Abende. Aber nie, zu keinem Zeitpunkt weiß er, dass ich ihn überreden oder überzeugen will. Wir reden über tiefgründige Themen unseres Glaubens – aber wir respektieren uns. Und das ist einer der wichtigsten Punkte im Umgang miteinander – ob es um Israel geht, um den (persönlichen) Glauben oder um sonst ein Thema. Respekt!

Begeistertes Publikum mit Israelfahnen am Israeltag in München 2017

Viele Zuschauerinnen und Zuschauer blieben den gesamten Tag. Der Israeltag endete erst gegen 21:30 mit einem schönen Abschlußkonzert

Klare Statements zu Israel und Emotionen. Alles war dabei!

 

Christian Seebauer Ich selbst kann mit politischen Reden eher nicht allzu viel anfangen. Klar höre ich da zu. Aber wirklich emotional berührt hat mich die Musik, die Fröhlichkeit und all das viele zwischen den Zeilen. Ihr beide habt es wirklich geschafft, ein Gefühl zu vermitteln. Und etwas zu lieben, bedeutet mir sehr viel mehr, als es in Fakten zu verstehen. Bin ich zu naiv für diese Welt?
Anat Rajber Nein. Man sagt so schön: „man sieht mit dem Herzen“. Deswegen verzichten wir nicht auf die Vernunft aber wenn man Menschen wirklich erreichen will, muss es über das Herz gehen. Und das ist auch gut so.
Andreas Wittenzellner Tja, das ist natürlich jetzt eine schwierige Frage. Das kann ich so nicht beantworten, dazu kennen wir uns zu wenig. Und natürlich sind verschiedene politische Statements ein unverzichtbarer und wichtiger Teil des jährlichen Israeltages. Aber über das hinaus stimme ich dir zu: Die Emotionalität, die Freude, der obligatorische, spontane Tanz auf dem Israeltag bewegen mich persönlich ebenso. Da war der diesjährige Israeltag wieder ein Highlight.

Obwohl ich da als Nichttänzer etwas im Zwiespalt bin. Habe ich doch seit rund zehn Jahren auf dem Israeltag einen Dauergast, die mich jedes Jahr zum gemeinsamen öffentlichen Tanz auffordern will. Es ist schon zu einem kleinen Spiel geworden, dass ich da eher als passiver Teilnehmer herum stehe und mir am Ende eines ereignisreichen Israeltages die nicht ganz ernstgemeinte Rüge der motivierten Tänzerin anhören muss: „Wieder nicht getanzt! Aber nächstes Jahr!“

Ach ja zum Thema „nächstes Jahr“, hier ein guter Tipp für zukünftige (Urlaubs)-Planungen: „Nächstes Jahr in Jerusalem Nächstes Jahr in der Freude!“

Moderatori Nelly Kranz am Israeltag Odeonsplatz München 2017

Moderatorin Nelly Kranz (links) führte als Moderatorin souverän und begeistert durch das Programm des Israeltags 2017

„Alles ist aus dem Nichts erschaffen worden“

Christian Seebauer Lasst uns gemeinsam für das Gute einstehen. Man muss nicht für alles schon die Lösung kennen. Man muss sich nur vorstellen können, dass es irgendwann gut wird. Kann man das so sagen? Darf ich?
Anat Rajber Natürlich glauben wir, dass es gut wird, ansonsten ist es das GANZE nicht wert. Es gibt immer eine Lösung, man muss es nur wollen. Das Leben ist nicht immer fair und wir neigen dazu eine faire Lösung zu suchen. Manchmal muss man neu anfangen und das Leben neu erfinden. So wie die Juden nach der Schoa und meine Familie nach der Alija aus dem Irak nach Israel – sie haben alles, was sie besaßen hinter sich gelassen und mussten ein neues Leben anfangen. Das geht, schauen Sie Israel heute an: Alles ist aus dem Nichts erschaffen worden. Wenn unsere Nachbarn einen ähnlichen Weg beschreiten wollen, wird alles andere sich ergeben.
Andreas Wittenzellner Das ist vielleicht gerade auch ein Weg, den Politiker im Nahen Osten gehen müssten, ohne jetzt von uns selbst, von mir selbst ablenken zu wollen. Es wird dort nicht die große Lösung für den Frieden geben, egal ob von den USA oder der sich in weiten Teilen schon disqualifizierten Europäischen Union. Der erhoffte Frieden hat nur eine Chance, wenn beide Seiten für das Gute einstehen.
Christian Seebauer Italien habe ich deshalb kennengelernt, weil ich mich als Teenager in eine Italienerin verliebt habe. Viele andere Länder habe ich ebenfalls mit meinen Gefühlen erst kennengelernt. In Israel bin ich als Bettler quasi „nackt“ vor den Menschen gestanden und habe bei einem geschenkten Stück auch Tränen in den Augen gehabt. Das wird mich nie mehr loslassen. Können Emotionen stärker sein, als die Bilder, die uns die Medien einzuprägen versuchen?
Anat Rajber Natürlich. Das was uns bewegt, ist meistens das was wir selbst erleben. Danach stößt selbst der Einfluss der Medien auf seine Grenzen.
Andreas Wittenzellner Tolle Erfahrungen, die ich mehr Menschen wünsche – und nicht nur weil du vom verliebt sein sprichst. In den Medien verkaufen sich natürlich Bilder, die beispielsweise einen kleinen Jungen zeigen, der vor einem israelischen Soldaten steht – bestens. Oder man erinnere sich nur an die palästinensische Propaganda, die 2000 nach dem Tod des palästinensischen Jungen Mohammed al-Dura anlief und die zweite Intifada mit ins Rollen brachte. Das sind Bilder, die sich tief einprägen und nicht selten dabei die manchmal unbequeme Wahrheit verdrängen. Wobei dies Emotionen natürlich auch tun.

Insofern denke ich: Es braucht eine Mischung aus allem, sachlich fundierter Information und auch die Emotion darf nicht fehlen, die sich meist auch dann einstellt, wenn man eigene Erfahrungen macht, wenn man direkt betroffene Menschen kennen lernt und sein fundiertes Wissen nicht nur aus dem Fernsehsessel heraus speist.

Das Heilige Land selbst erleben: Fröhliche Begegnung am Israel National Trail

Die eigenen Israel-Erfahrungen wagen…

Christian Seebauer Viele Leserinnen und Leser träumen davon, eines Tages auf dem Shvil Israel – dem Israel National Trail – zu wandern. Ist Israel sicher? Sind Israelis nett? Werde ich mit der Deutschen Vergangenheit konfrontiert? Haben Juden mit Christen ein Problem? Kurzum: Tausend Fragen und Neugierde für das Heilige Land. Was kann man ihnen mit auf den Weg geben?
Anat Rajber Probieren geht über studieren. Wagen Sie es! Israel wird Sie nicht enttäuschen. Ich bin in Israel geboren und bin sehr stolz auf mein Land. Glauben Sie mir, jeder der einmal dort war, den zieht es wieder dorthin zurück. Wagen Sie es und machen Sie Ihre eigene Erfahrungen.
Andreas Wittenzellner Nun ob ich deinen Erfahrungen auch einmal mache, da bin ich mir nicht so sicher. Meine Israelreisen waren da etwas „normaler“, etwas weniger abenteuerhaft wenn du weist was ich meine. Nein Spaß beiseite: Ich würde zu deinen Fragen jeweils ein „Ja“ sagen, bei manchen aber mit Einschränkungen.

Ist Israel sicher? Ich erinnere mich 1994 an meine erste Reise nach Israel und die gefühlte Unsicherheit, an vielen zentralen Stellen Sicherheitskräfte zu sehen. Leider leben wir in einer Welt, die mehr und mehr von Unsicherheit geprägt ist, ob in Jerusalem, Berlin oder Paris.

Über die Frage der „Nettigkeit“ kann ich nur sagen: So wie man in den Wald hineinruft so kommt es zurück. Das gilt in Israel und genauso im hintersten Flecken des Bayerischen Waldes.

Ja, ich bin mit der Deutschen Vergangenheit konfrontiert worden, als ich in der Gedenkstätte Yad Vashem war. Jedes Mal. Und ich habe jedes Mal geweint, so überwältigend war der gefühlte Schmerz. Und jedes Mal war ein Israeli in der Nähe – egal ob Freund, Busfahrer, Reiseleiter oder wer auch immer, der mir die selbst gefühlten Schuldgefühle genommen hat und mir deutlich gemacht hat: Es geht nicht um deine Schuld sondern um das Gedenken, Erinnern und darüber hinaus: Es geht um ein „Nie wieder!“

Und auf die Frage ob Juden mit Christen ein Problem haben kann ich nur wieder den Bayerischen Wald zitieren. Wenn ich mich in einem fremden Land, vielleicht in einer fremden religiösen Stätte, in der Öffentlichkeit vernünftig und respektvoll verhalte, dann werde ich auch Respekt erwidert bekommen.

Ich kann jedem Israelfahrer nur mit auf dem Weg geben: Fahre bereit für Begegnungen, sei interessiert an Land und Leuten, habe den Mut, dich in deinen vorgefertigten Überzeugungen auch einmal korrigieren zu lassen und dann, ja dann fehlt eigentlich nur eines: Die positive Überraschung, die sich bei mir immer eingestellt hat.

Ach ja noch eine Geschichte: Freitag Nachmittag in Jaffo. Ein Taxi rollt heran. Ein Brautpaar steigt aus. Fünf Minuten später die gleiche Prozedur. Fünf bis sechs Paare konnten wir als deutsche Reisegruppe interessiert beobachten. Die Paare waren alle zum Fotografieren gekommen. Der Blickkontakt zu uns signalisierte Interesse. Ich bin zaghaft auf ein Paar zugegangen und habe auf Englisch gefragt: Dürfen wir ein Segenslied für euch singen? Die Freude war groß, meine Unsicherheit ist geblieben als ich gefragt habe: Auch in deutscher Sprache? Das „Yes, of course“ war ehrlich gemeint. Und hat Freude gebracht und uns die Erkenntnis dass viele Vorurteile und Unsicherheiten einfach schnell der Vergangenheit angehören, wenn Ellenbogen-Mentalität oder geballte Fäuste durch offene ausgestreckte Hände ersetzt werden. Und ein freundliches Lächeln wirkt in Tel Aviv genauso Wunder

wie in Buxtehude.

Aufklärung gegen Boykott und Antisemitismus

Klare Botschaft gegen BDS! Aufklärung gegen Boykott und Antisemitismus

 

Christian Seebauer Weshalb rentiert es sich, sich eine eigene Meinung über Israel, das Jüdische Leben in Deutschland u.s.w. zu bilden?
Anat Rajber Besonders im Hinblick auf unsere gemeinsame Geschichte ist es wichtig, eine eigene Meinung zu haben. Wir haben einen Auftrag für die nächsten Generationen, und den gilt es zu erfüllen.
Andreas Wittenzellner Israel ist für mich der Schlüssel zu ganz Vielem. Ob es weltpolitisch um Frieden und ein friedvolles Miteinander geht, oder das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Überzeugung, Kultur und Religion. Oder ich denke nur an die Frage der Integration von Menschen aus unterschiedlichen Ländern. Die Liste ist endlos lang:

Menschen jüdischen Glaubens, die nach Israel eingewandert sind. Biblisch gesehen passt der Spruch „aus aller Herren Länder“. Eine unglaubliche Einwanderungswelle verbunden mit riesigen Herausforderungen die mit großer Anstrengung gemeistert worden sind. Man denke nur an die Einwanderung von rund einer Millionen Menschen aus den früheren GUS-Staaten. Israel ist ein Beispiel, wie Integration gelingen kann. Es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen, davon zu lernen.

Jüdisches Leben in Deutschland ist daneben für mich nicht nur deshalb so bedeutend, weil es zeigt, dass die Nazi-Ideologie nicht gesiegt hat. Auch hier gäbe es vieles dazu zu sagen.

Aber letztlich läuft bei mir wieder vieles auf einen anderen Punkt hinaus:

Ich habe Freunde in Israel (nicht nur jüdischen Glaubens!) aber auch hier in Deutschland in jüdischen Gemeinden. Und wenn man Menschen kennt und kennenlernt, dann bekommen Probleme plötzlich ein Gesicht. Dann kommen auch die Emotionen ins Spiel.

Anat Rajber am Israeltag 2017 in München

Anat Rajber am Israeltag 2017 in München

Christian Seebauer Weshalb rentiert es sich, sich dafür einzusetzen?
Anat Rajber Es gibt kein Grund warum nicht. Man sollte sich immer für Positives einsetzen.
Andreas Wittenzellner Auch hier sind mir die Menschen näher als ideologische Grundsatzdiskussionen.
Christian Seebauer Ein Fest ist mehr als Tausend Worte, weil…
Anat Rajber Hier schließe ich mich an Andreas an. Klein angefangen mit einer großen Idee von Leo Sucharewicz und nie aufgehört daran zu glauben. Wir freuen uns jedes Jahr auf das Fest mitten in München und laden Euch jetzt schon für das nächste Jahr ein. Wir arbeiten für Israel und Israel hat uns nie enttäuscht! Wir danken all unsere Partnern, Besuchern, Schirmherrn Rednern und Sponsoren… ALLE ALLE Am Israel Chaj!
Andreas Wittenzellner Da würde ich jetzt gerne den allseits bekannten Schriftsteller Antoine de Saint-Exupery zu Wort kommen lassen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Das gilt auch für die Ohren….Und eben auch für den Israeltag 2017, aber vorausschauend auch für den Israeltag im kommenden Jahr.

Liebe Anat Rajber, lieber Andreas Wittenzellner, ganz herzlichen Dank für dieses wunderbare Interview!

Links und Infos:

 

Über Anat Rajber

 

Anat Rajber ist Eventmanagerin, in Israel geboren und aufgewachsen, lebt sei 1979 in München, ist verheiratet, hat vier – wie sie selbst sagt- wunderbare Kinder und eine süße Enkelin.

„Wenn Sie Interesse an Jüdische und Israelische Veranstaltungen haben, nehme ich Sie gerne in meinem Verteiler“

Events & Projekte
Anat Rajber

, Email. Rajber.events@t-online.de

Über Andreas Wittenzellner

Andreas Wittenzellner ist 52 Jahre alt, gelernter Bankkaufmann. Geschäftsführer einer eigenen Beratungsfirma und Journalist. Er lebt seit seiner Kindheit im oberbayerischen Traunstein.

Möchten Sie spenden, oder sich engagieren:
ILI I Like Israel e.V.
http://www.i-like-israel.de/
Israeltag@il-israel.org

Fotos (c) Andreas Wittenzellner.

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